US-Wirtschaft festigt ihre Rolle als globaler Taktgeber

USA bleiben die Wachstumslokomotive – Europa mit ersten Hoffnungsschimmern

Wettrüsten der Technologiegiganten

Speicherchips: Das Gedächtnis der modernen Welt

 

Autor: Bastian Ernst
Finanzmarkt aktuell per 20. Februar 2026
Bastian Ernst, Portfoliomanager

Bastian Ernst Portfoliomanager

Während die Vereinigten Staaten ihre globale Führungsrolle durch ein beispielloses Tech-Wettrüsten weiter festigen, verschieben sich die Profiteure dieser KI-Revolution. In der aktuellen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“ blicken wir auf die Hintergründe und ordnen diese für Sie ein.

USA bleiben die Wachstumslokomotive – Europa mit ersten Hoffnungsschimmern

Trotz politischer Umbrüche beweist die US-Wirtschaft eine bemerkenswerte Resilienz und festigt ihre Rolle als globaler Taktgeber. Besonders das verarbeitende Gewerbe in den Vereinigten Staaten gewinnt spürbar an Dynamik, untermauert durch eine verbesserte Industrieproduktion und eine aufgehellte Stimmung. Hingegen zeigt sich die Stimmung beim Konsumenten weiter verhalten. Europa kämpft zwar weiterhin mit strukturellen Hürden, findet jedoch allmählich auch zu einer stabileren Basis zurück. Dank steigender Reallöhne erwarten wir eine leichte Belebung des privaten Konsums, während auch in der Industrie erste Anzeichen einer Bodenbildung und leichten Stimmungsaufhellung zu beobachten sind. Trotz des freundlichen Konjunkturumfeldes sanken die Staatsanleiherenditen dies- und jenseits des Atlantiks zuletzt. So fiel die US-Inflationsrate zuletzt stärker als erwartet und die allgemeine Marktunsicherheit der vergangenen Wochen ließ Anleger wieder verstärkt zu Staatspapieren greifen.

Wettrüsten der Technologiegiganten

Ein wesentlicher Treiber des US-Wachstums sind die massiven privaten Investitionen in Künstliche Intelligenz, die mittlerweile Dimensionen ganzer Staatsbudgets erreicht haben. Allein vier führende US-Technologiekonzerne planen für das laufende Jahr Ausgaben von über 550 Mrd. Euro – eine Steigerung von rund 60% zum Vorjahr und damit mehr als der gesamte deutsche Bundeshaushalt 2026 (ca. 524 Mrd. Euro). Ein Ende dieses Investitionsbooms ist derzeit nicht absehbar. Stattdessen erhöhen die Technologiekonzerne ihre Investitionsvorhaben kontinuierlich weiter. Doch der Markt wird kritischer: Anleger strafen Unternehmen ohne klaren Produktivitätsnachweis für diese enormen Ausgaben zunehmend ab. Es öffnet sich eine weite Schere zwischen den KI-Profiteuren und jenen, die den Anschluss zu verlieren drohen. Eine selektive Titelauswahl bleibt daher das Gebot der Stunde.

Speicherchips: Das Gedächtnis der modernen Welt

In diesem Marktumfeld haben sich Speicherchip-Hersteller als große Gewinner herauskristallisiert. Was – anders als hochkomplexe Grafikprozessoren – früher ein austauschbares Massengut war, wird durch den Hunger der KI-Rechenzentren zur strategischen Mangelware. Insbesondere spezialisierte „High Bandwidth Memory“ (HBM) Chips binden enorme Kapazitäten, so dass Betreiber von Datenzentren Milliarden zahlen, um sich Produktionslinien für die nächsten zwei Jahre im Voraus zu sichern. Dies hebelt die üblichen Marktmechanismen aus und führt zu einem Novum am Speichermarkt: Statt Mengenrabatten dominieren massive Preisaufschläge für priorisierte Lieferung. Die Speicherchip-Produzenten verlagern indes ihre Fertigung massiv in den margenstarken KI-Bereich, so dass schätzungsweise zwei Drittel der diesjährigen Kapazitäten in Datenzentren verbaut werden dürften. Die Folge ist ein Vakuum in Bereichen wie Konsumelektronik, Smartphones, PCs, Autos oder Haushaltsgeräten. In diesen Bereichen dürften die Kosten sowie die Lieferzeiten entsprechend steigen. Die Engpässe dürften im Laufe des Jahres weiter zunehmen. Trotz massiver Investitionen in neue Fabriken (Investitionsvolumen oft im zweistelligen Milliardenbereich) dauert die Fertigstellung neuer Chipfabriken meist zwei bis drei Jahre. Eine Entspannung ist damit unseres Erachtens nach frühestens im Verlauf des Jahres 2027 zu erwarten, wenn die ersten neuen Produktionsanlagen fertiggestellt werden können. Neben den Speicherchipproduzenten, insbesondere in Ostasien, bleiben daher vor allem die Ausrüster und Anlagenbauer für die Halbleiterfertigung in unserem Fokus. Diese profitieren unmittelbar vom aktuellen Bauboom neuer Produktionsstätten. Grundsätzlich erachten wir das aktuelle Umfeld weiterhin positiv für die Aktienmärkte. Moderates Wachstum und eine nicht zu restriktive Geldpolitik stützen dynamisch wachsende Unternehmensgewinne. So zeigt die laufende Gewinnberichterstattung erneut, dass die fundamentale Lage der Unternehmen sehr gut ist. Zudem zeigen sich auch abseits des Technologiesektors zunehmend bessere Unternehmensgewinne.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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