Autor: Daniel Schär
Finanzmarkt aktuell per 19. Dezember 2025
Daniel Schär, Leiter Vermögensverwaltung
Mit dem Ende der Haushaltssperre und der Rückkehr zum Alltag in den USA veröffentlichen die Statistikämter wieder Daten zum Zustand der Volkswirtschaft. Diese offenbaren einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und geben wichtige Implikationen für die US-Zentralbank. Im heutigen Finanzmarkt geben wir einen Ausblick auf die Geldpolitik im kommenden Jahr und beleuchten die Unterschiede zwischen den beiden Währungsräumen USA und Eurozone.
Nach Blindflug steigt die US-Arbeitslosigkeit
Mitte November ging in den USA die längste Haushaltssperre („Shutdown“) der US-Geschichte zu Ende. Diese hatte nicht nur erhebliche wirtschaftliche Kosten zur Folge – Regierungsbehörden taxieren die Kosten des Stillstands für die US-Wirtschaft auf einen zweistelligen Milliardenbetrag – sondern sorgte auch dafür, dass Ökonomen vorrübergehend im Blindflug waren. Nachdem für den Oktober von den Statistikämtern keine Daten veröffentlicht werden konnten, brachte der neue Arbeitsmarktbericht nun etwas Klarheit. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,6 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit September 2021. Das bestätigt unseren Eindruck eines sich abschwächenden Arbeitsmarktes und damit auch unsere Erwartung, dass die US-Notenbank Fed auch 2026 weitere Zinssenkungen vornehmen wird. Während am Markt aktuell zwei Zinssenkungen für das nächste Jahr eingepreist sind, halten wir sogar drei bis vier Zinssenkungen in den USA für möglich. Hintergrund ist einerseits, dass die neuen Inflationsdaten für November eine unerwartete Verlangsamung der Inflationsrate auf 2,7 Prozent aufzeigen, während Volkswirte im Vorfeld mit einer deutlich höheren Preissteigerung von 3,1 Prozent gerechnet hatten. Hinzu kommt, dass Trump sich jüngst zur Neubesetzung des Chefpostens der Fed äußerte.
Trump wünscht sich „Kevin – Allein zu Haus“
Nachdem der US-Präsident den Notenbankchef Jerome Powell in der Vergangenheit wiederholt zu Zinssenkungen aufgefordert hatte, brachte er nun auch seine möglichen Nachfolger ins Spiel. Die Rede ist von Kevin Hassett und Kevin Warsh. Hassett ist aktuell der oberste Wirtschaftsberater in Trumps Kabinett, gilt als enger Loyalist und als Vertreter einer deutlich lockereren Geldpolitik. Kevin Warsh war von 2006 bis 2011 Mitglied des Direktoriums der US-Notenbank. Er vertritt die Ansicht, dass die Federal Reserve in Krisenzeiten eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung von Wirtschaft und Finanzmärkten spielen sollte. Die Aktienmärkte reagierten auf diese Ankündigung zunächst positiv, während der US-Dollar gegenüber wichtigen Leitwährungen nachgab. Die möglichen Kandidaten sind somit weitestgehend an den Kapitalmärkten eingepreist, es stellt sich jedoch zunehmend in Frage nach der Unabhängigkeit der Notenbank. Konkret befürchten Kritiker, dass Trump die Fed auf diesem Weg zu Zinssenkungen drängen könnte, selbst wenn die Inflation noch weit über dem Zwei-Prozent-Ziel liegt. Ein Vertrauensverlust der Marktteilnehmer in die Unabhängigkeit der Zentralbank könnte zu einem Abverkauf bei US-Staatsanleihen und folglich zu steigenden Renditen führen, was die Refinanzierung der ohnehin hochverschuldeten Nation teurer machen würde. Noch ist nicht ausgemacht, dass es dazu kommt, aber fest steht schon heute: Das Jahr 2026 wird für US-Staatsanleihen und den US-Dollar einiges an Bewegung bereithalten.
Die EZB schaltet auf Autopilot
Im Euroraum geht es dagegen deutlich geordneter zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) traf sich am 18. Dezember zum letzten Mal in diesem Jahr zu ihrer Ratssitzung und entschied dabei erneut, den Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent zu belassen. Interessanter als diese Entscheidung waren die angepassten Erwartungen der Währungshüter, die für 2026 mit mehr Wachstum (1,2 statt wie bisher 1,0 Prozent), aber auch mehr Inflation (1,9 statt wie bisher 1,7 Prozent) rechnen. Bemerkenswert ist in diesem Kontext, dass die Märkte zuletzt wieder begannen, Zinserhöhungen für das kommende Jahr einzupreisen. Wir rechnen auf Basis der aktuellen Daten allerdings nicht damit, dass es bereits 2026 dazu kommen wird. Was bedeuten diese Entwicklungen nun für Anleiheinvestoren? Wir würden bei in US-Dollar denominierten Anleihen aufgrund der Währungsrisiken weiter zu Vorsicht raten und uns bei Staats- und Unternehmensanleihen auf den Euroraum konzentrieren. Hier sehen wir das Rentensegment durch den konstruktiven Konjunkturausblick gut unterstützt und präferieren mittlere Restlaufzeiten von um die 5 Jahre, um auch im kommenden Jahr von attraktiven laufenden Erträgen zu profitieren und zugleich ein stabilisierendes Element im Portfolio zu haben.
Wir wünschen einen guten Jahresausklang
Nach den vielen aufregenden Ereignissen im Jahr 2025 hoffen wir, dass Sie nun etwas Zeit finden, die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen. Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2026. Vielen Dank, dass Sie uns Ihr Vertrauen schenken.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
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