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Wirtschaftswachstumsprognosen weltweit nach oben angepasst

Europa verstolpert, USA und China mit Traumstart

Keine Angst vor steigenden Zinsen

Todgesagte leben länger

 

Autor: Daniel Schär
Finanzmarkt aktuell per 19. März 2021
Daniel Schär, Direktor Leiter Portfoliomanagement

Daniel Schär

Die dritte COVID-19-Infektionswelle baut sich über Deutschland und Europa auf und wird den graduellen Lockerungskurs der letzten Wochen höchstwahrscheinlich stoppen. Trotz dieser schlechten Nachrichten werden die Wirtschaftswachstumsprognosen weltweit nach oben angepasst, die Zinsen steigen und die Aktienkurse konnten zuletzt neue Höchststände markieren. Wie sich daraus ein plausibles Bild formen lässt, lesen Sie in der heutigen Ausgabe von Finanzmarkt aktuell.

Europa verstolpert, USA und China mit Traumstart

Kontinentaleuropa ächzt erneut unter deutlich steigenden Infektionszahlen aufgrund der rasanten Ausbreitung der britischen Virus-Mutation. Es ist zu erwarten, dass ähnlich wie in weiten Teilen von Italien jüngst geschehen, auch in Deutschland die Zügel wieder gestrafft werden. Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass trotz des desaströsen Starts der Impfkampagne die Wirkkraft der Impfungen jetzt schon sichtbar wird. Die Todeszahlen steigen insgesamt deutlich langsamer als im Herbst 2020 und die Risikogruppe älterer Menschen steckt sich bedeutend seltener mit dem Virus an. Das weckt Hoffnung auf eine deutliche Besserung der Lage mit steigenden Impfquoten und lässt sich in Ländern wie Großbritannien und den USA bereits erkennen. Die Wirtschaftserholung der Eurozone ist somit nicht abgesagt, sondern lediglich nach hinten geschoben. Wir rechnen mit einer deutlichen Belebung zum Ende des zweiten Quartals, die bis weit in die zweite Jahreshälfte hinein anhalten sollte. Schon jetzt zeigt sich die Industrie äußerst robust und profitiert von einem Anziehen der internationalen Nachfrage. Die beiden Zugpferde der Weltwirtschaft, China und die USA, sind eindrucksvoll dynamisch in das Jahr gestartet. Die USA profitieren von den Impulsen, die durch das jüngste Konjunkturprogramm in Höhe von 1,9 Billionen USD gesetzt worden sind. Es werden diesmal vor allem Geringverdiener profitieren und so ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Gelder für Konsumausgaben verwendet werden. Gepaart mit der sukzessiven Öffnung des Landes nach den Lockdown-Beschränkungen könnte es so zu einem Konsum-Boom führen. Dieser gigantische Stimulus wird die US-Wirtschaft nach Schätzungen der OECD und auch der US-Notenbank (FED) in diesem Jahr um beeindruckende 6,5 Prozent wachsen lassen, so stark wie zuletzt in den 70er Jahren. Die neue US-Regierung will es dabei aber nicht belassen und arbeitet bereits an einem riesigen Infrastrukturprogramm, das im Herbst beschlossen werden könnte. Auch für China wird in diesem Jahr mit einem BIP-Wachstum von bis zu 8 Prozent gerechnet. Die OECD hat somit auch die Erwartungen an das Wachstum der Weltwirtschaft auf 5,6 Prozent und damit stark nach oben angepasst.

Keine Angst vor steigenden Zinsen

Der sich anbahnende Wirtschaftsboom wird sich, wie in der letzten Ausgabe unseres Newsletters von uns thematisiert, auch in steigenden Preisniveaus wiederspiegeln. Vor allem in den kommenden Monaten ist durch den starken Anstieg der Energiepreise von den Tiefständen des letzten Jahres mit einem deutlichen Anspringen der Inflation zu rechnen. Die Notenbanken signalisieren jedoch bereits, dieses tolerieren zu wollen. So bekräftigte in dieser Woche die US-Notenbank ihren Kurs, die Zinsen bis ins Jahr 2023 auf geringem Niveau zu belassen und den Markt weiterhin durch Anleihekäufe mit Liquidität zu versorgen. Die Notenbanken können allerdings nur den kurzfristigen Zins aktiv steuern. Der langfristige Zins wird durch die Erwartungen der Kapitalmarktteilnehmer gebildet. Diese haben die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen von 0,5 Prozent im letzten August auf aktuell 1,7 Prozent emporschnellen lassen. Das hohe Tempo des Anstiegs sollte in unseren Augen nicht aufrechterhalten werden und sich abflachen. Es bleibt jedoch grundsätzlich bei steigenden Zinsen. Häufig werden diese mit einem schlechten Umfeld für Aktien assoziiert, da Anleger bei steigenden Zinsen zunehmend attraktivere Anlagealternativen finden. In den letzten 25 Jahren ist dieser Zusammenhang so jedoch nicht festzustellen. Betrachtet man die vier Phasen mit nachhaltig steigenden Zinsen, die durch ein positives Wirtschaftswachstum begleitet wurden, so zeigt sich, dass sich Aktien in diesen Phasen weiter sehr gut entwickeln konnten. Daher gehen wir von einem grundsätzlich freundlichen Aktienmarktumfeld in diesem Jahr aus.

Todgesagte leben länger

Die Aktienmärkte haben in den letzten Tagen neue Höchststände markiert. Auffällig dabei ist, dass die bisherigen Börsenlieblinge, wie beispielsweise Technologieaktien, trotz des positiven Marktumfeldes zur Schwäche neigen. Dies liegt einerseits daran, dass mit steigenden Zinsen fundamentale Bewertungsmodelle einen geringeren „fairen“ Unternehmenswert für Wachstumsunternehmen kalkulieren. Andererseits sind durch die Entwicklung im vergangenen Jahr viele Vorschusslorbeeren eingepreist worden und die Bewertungen sind erhöht. Auch steigt der regulatorische Druck auf die großen Technologiekonzerne. In unseren Augen ist es aber auch falsch, jetzt in einen Abgesang auf den Sektor zu verfallen. Zu groß ist dafür das langfristige Innovations- und Wachstumspotential der Branche. Die Konsolidierungsphase kann aber noch anhalten. Die Führung haben unterdessen Unternehmen übernommen, die in den letzten Jahren überhaupt nicht sexy für Anleger waren. Banken, Energie- und Industrieunternehmen, die jahrelang wie Blei in den Regalen der Börsen lagen, erfahren gerade eine Renaissance. Die Bewertungen sind niedrig und die Sektoren profitieren von der zyklischen Erholung der Weltwirtschaft. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen, wie beispielsweise der größte deutsche Automobilkonzern, ihre Hausaufgaben erledigt haben und nun mit neuen Zukunftsperspektiven Anleger in ihren Bann ziehen. Wir erwarten, dass die Börsenphase für diese Unternehmen durchaus noch andauert und verstärken unsere Engagements in diesem Bereich weiter.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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