Anmelden

Die Wachstumszahlen zum dritten Quartal konnten global überzeugen.

Globale Wachstumsparty in vollem Gange

Nach Allzeithochs – Katerstimmung am Aktienmarkt

Langweiler Rentenmarkt?

 

Autor: Sascha Rehbein
Finanzmarkt aktuell per 17. November 2017
Sascha Rehbein, CFA, Portfoliomanager

Sascha Rehbein

Das globale Wachstum gewinnt an Fahrt, die Konjunkturstimmung verspricht sogar noch stärkere Wachstumszahlen und die US-Unternehmen korrigieren ihre Ausblicke nach oben. Trotz dieser positiven Nachrichtenlage in den vergangenen Wochen trübt sich die Stimmung an den globalen Aktienmärkten ein. Wie passt das zusammen?

Globale Wachstumsparty in vollem Gange

Die Wachstumszahlen zum dritten Quartal konnten global überzeugen. In Europa sieht man regional eine einheitlich positive Entwicklung mit zunehmender Dynamik. Das BIP-Wachstum beschleunigte sich im dritten Quartal auf 2,5% und somit auf das höchste Niveau seit Sommer 2011. In Deutschland sieht es sogar noch erfreulicher aus. Mit 2,8% überraschte die Wachstumsdynamik deutlich. Allerdings hat der aktuelle Zyklus aus unserer Sicht einen entscheidenden Haken – es fehlen die Investitionen. So hat sich in der vergangenen Dekade insbesondere in den Industriestaaten ein massiver Investitionsstau aufgebaut. Umso erfreulicher sind daher die zuletzt veröffentlichten Detailzahlen aus der deutschen Industrie. Die Auftragseingänge für Industriegüter konnten sich beschleunigen und somit den positiven Trend seit Jahresanfang stabilisieren. Sollten die Unternehmen nun tatsächlich zuversichtlicher in die Zukunft blicken und ihre Investitions­ausgaben erhöhen, wäre dies die fehlende Komponente für eine nachhaltige Wachstumsbeschleunigung nicht nur in Deutschland, sondern ebenso global. Auch in den Vereinigten Staaten kann man anhand der Detaildaten des Bruttoinlandsproduktes eine positive Wende der Ausrüstungsinvestitionen erkennen. Von 2015 bis in das Jahr 2016 hinein standen die Investitionen durch den rückläufigen Ölpreis und den starken US-Dollar unter Druck. Aber einhergehend mit dem Wegfall dieser Belastungsfaktoren konnten die Ausrüstungs­investitionen in den vergangenen vier Quartalen positive Wachstumszahlen vorweisen. Sollte sich der republikanisch dominierte US-Kongress tatsächlich auf eine Steuerreform in den kommenden Wochen einigen, wäre das ebenfalls positiv für künftige US-Investitionen. Allerdings stehen dieser Einigung einige Hürden im Weg. So weichen die Vorschläge der beiden Kongresskammern deutlich voneinander ab. In dieser Woche wurde zusätzlich bekannt, dass der Senat beabsichtigt, über den Umweg der Steuerreform einen entscheidenden Bestandteil von Obamacare abzuschaffen. Dieser kontroverse Schachzug könnte die knappe Mehrheit der Republikaner im Senat gefährden. Immerhin hat sich bereits der erste republikanische Senator öffentlich gegen die Steuerreform positioniert. Sollten zwei weitere folgen, wäre das Reformvorhaben gescheitert.

Nach Allzeithochs – Katerstimmung am Aktienmarkt

Der deutsche Leitindex DAX konnte seinen positiven Trend seit Anfang September nicht mehr verteidigen und musste in den letzten zwei Wochen bis zu 500 Indexpunkte einbüßen. Auch die US-Pendants konnten ihre Erfolgsserie von fast täglich neuen Allzeithochs nicht weiter fortsetzen und kamen leicht unter Druck. Neben den größer werdenden Fragezeichen um die US-Steuerreform ist die Bilanzsaison am Aktienmarkt aktuell der entscheidende Einflussfaktor. Dabei fallen besonders die deutschen Unternehmen negativ auf. Die Unternehmensgewinne sind überraschend rückläufig. Insbesondere exportorientierte Unternehmen stechen hervor, da der starke Euro die Auslandsgeschäfte weiterhin belastet. Auch der Blick in die Zukunft fällt bei den Unternehmenslenkern zurückhaltend aus. Etwas positiver sind die Zahlen auf gesamteuropäischer Ebene. Zwar konnten die Zuwachsraten analog zu den beiden Vorquartalen nicht die gleiche Dynamik vorweisen, aber ein Umsatzwachstum von knapp 4% übertrifft die Markterwartung immerhin leicht. Die US-Unternehmen können diese Zahlen jedoch toppen: Gewinn- und Umsatzwachstum über 5% überraschen die Analysteneinschätzungen und wirken somit positiv auf die US-Märkte. Hinzu kommen konstruktive Kommentare zur künftigen Unternehmensentwicklung – die Ausblicke befinden sich auf einem 5-Jahreshoch. Somit überrascht es nicht, dass sich die US-Aktienmärkte in den vergangenen zwei Wochen besser entwickelten im Vergleich zu Europa. In Summe bleiben wir positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Die fundamentale Lage der Unternehmen ist gesund, die Gewinnerwartungen positiv und die unterliegende globale Konjunktur entwickelt sich in die richtige Richtung.

Langweiler Rentenmarkt?

Seit der Verkündung von EZB-Präsident Draghi, die Anleihekäufe bis tief in das nächste Jahr fortzusetzen, bewegt sich die 10-jährige Bundrendite in einem engen Handelsband von 15 Basispunkten. Auch Unternehmensanleihen aus dem sicheren Investment-Grade haben nur einen minimalen Anstieg der Risikoprämien erlebt. Etwas mehr Volatilität war allerdings in den restlichen Satellitenmärkten zu beobachten. Schwellenländeranleihen und High-Yield-Bonds mussten analog zu den Aktienmärkten leichte Kursverluste in den vergangenen Tagen verkraften. Wir sehen dies allerdings nur als kurzfristige Marktkorrektur an und sind somit weiterhin positiv für diese Anleihesegmente gestimmt.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

i