Autor: Sascha Rehbein
Finanzmarkt aktuell per 17. April 2026
Sascha Rehbein, CFA, Portfoliomanager
Die bedeutendste Öl-Ader der Welt, die Straße von Hormus, ist weiterhin geschlossen, und gleichzeitig feiern die Aktienmärkte neue Allzeithochs. Reichen bereits die Andeutungen weiterer Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien zur Erklärung dieser Kurssprünge, oder steckt mehr dahinter? Wie haben die ersten Konjunkturindikatoren seit Ausbruch des Iran-Krieges reagiert? Und wie soll man sein Portfolio in diesen bewegten Zeiten positionieren? Diesen Fragen widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.
Allzeithochs trotz Blockade der Straße von Hormus!?
Für uns Kapitalmarktinvestoren ist die schiere Dynamik der geopolitischen Ereignisse in diesem Jahr eine große Herausforderung und erfordert einen außergewöhnlichen Grad an Flexibilität in jeglicher Hinsicht. Das bedeutet für uns auch, einen klaren Blick auf die Zukunft zu behalten, während aktuell die Energieversorgung durch die wichtigste Meerenge der Welt weiterhin blockiert ist und somit die Sorgen über Öl- und Gasknappheit unverändert hoch sind. Gleichzeitig hält aber der Innovationsschub aus den USA durch die neuen KI-Modelle unverändert an, und die Gewinnaussichten der Analysten werden konstant nach oben revidiert, was insbesondere auf den Tech-Sektor zutrifft. Auch die Bilanzsaison in den USA ist unterstützend gestartet und konnte sowohl auf der Gewinn- als auch Umsatzseite positiv überraschen. Dieses Zusammenspiel aus starken Fundamentalkennzahlen gepaart mit einem starken Innovationsschub haben die Aktienmärkte in den letzten zwei Wochen befeuert und in den USA als auch in Teilen Asiens zu neuen Allzeithochs getrieben. Wir bleiben daher unverändert optimistisch gestimmt und erwarten weitere Kursanstiege, insbesondere bei KI-Profiteuren wie zum Beispiel den Chipherstellern.
Geteiltes Bild am Rentenmarkt
Ähnlich wie am Aktienmarkt konnten wir Entspannung in Form eines deutlichen Rückgangs der Risikoprämien in den letzten zwei Wochen beobachten. Die Risikoaufschläge der bonitätsschwachen Unternehmensanleihen aus den USA haben die Vorkriegsniveaus deutlich unterschritten und haben somit die Sorgen des Iran-Konflikts hinter sich gelassen. Währenddessen spricht der Rentenkernmarkt allerdings eine andere Sprache. So verharrt die 10-jährige Bundrendite weiterhin um die 3-Prozent-Marke und liegt somit klar über den Niveaus vor Kriegsausbruch. Wie passen diese beiden Sichtweisen des Rentenmarktes zusammen? Unsere Einschätzung: Während die Risikoprämien der Unternehmensanleihen, analog zum Aktienmarkt, die fundamentale Situation der Unternehmenswelt und die positiven Gewinnaussichten widerspiegeln, werden die Kernmärkte stärker von den aktuellen Inflationssorgen und den möglichen Zinserhöhungen der Notenbanken angetrieben. Wir haben daher kurz nach Verkündung des Waffenstillstandes unsere Positionierung in bonitätsschwachen Unternehmensanleihen erhöht, um von den rückläufigen Risikoprämien zu profitieren.
Erste Auswirkungen des Iran-Krieges in der Konjunktur sichtbar
Mit Spannung wurden die ersten Preisindikatoren aus den USA und Europa nach Ausbruch des Krieges erwartet. Der Anstieg fiel nun ähnlich dynamisch aus wie zuletzt 2022 im Zuge der damaligen Energiekrise aufgrund des Ukraine-Krieges. Der überwiegende Grund des Preissprungs war natürlich in der Energiekomponente zu finden, wie wir alle schmerzlich beim Tankstellenbesuch erfahren müssen. Interessanterweise konnten sich die ersten Stimmungsindikatoren aus der Industrie relativ stabil halten. Zumindest für die US-Wirtschaft können wir dies nachvollziehen. Durch die heimische Öl- und Gasindustrie profitieren die US-Unternehmen von einer verstärkten Nachfrage, wie auch der sprunghafte Anstieg der Ölexporte gezeigt hat. Aus der europäischen Industrie sind bisher nur Vorkriegsdaten bekannt, allerdings zeigten diese bereits eine enttäuschende Entwicklung. In Summe bestärken uns die ersten Indikatoren in unserer Meinung, dass sich die USA in der aktuellen Gemengelage dynamischer entwickeln sollten im Vergleich zu Europa.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
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