Anmelden

Die Tropenstürme „Irma“ und „Harvey“ haben in den südlichen US-Bundestaaten eine Schneise der Verwüstung und große volkswirtschaftliche Schäden hinterlassen.

USA im Auge des Sturms und trotzdem auf Kurs

EZB unter zunehmenden Druck

Entspannte Aktienmärkte

 

Autor: Daniel Schär
Finanzmarkt aktuell per 15. September 2017
Daniel Schär, Direktor Leiter Portfoliomanagement

Daniel Schär

In Europa steht die Notenbank zunehmend unter Zugzwang von ihrem bisherigen Kurs abzuweichen. Welche Auswirkungen die Unwetter in den USA und eine bald bevorstehende Kursänderung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die Wirtschaftsentwicklung und die Finanzmärkte haben lesen Sie in unserem aktuellen Kommentar:

USA im Auge des Sturms und trotzdem auf Kurs

Als ob die Entscheidungen und Äußerungen von Präsident Trump in diesem Jahr die USA nicht schon genug in Aufruhr versetzt hätten, wird das Land von der diesjährigen Hurrikan-Saison besonders stark getroffen. Schon zwei große Tropenstürme haben gewütet und Verwüstungen hinterlassen. Neben den menschlichen Tragödien, die diese Naturkatastrophen mit sich brachten, sind die ökonomischen Folgen ebenfalls eklatant. Zwar gibt es zu den genauen Zahlen noch große Unsicherheiten, jedoch lässt sich feststellen, dass beide Stürme zusammen ein ähnliches Schadensausmaß wie beim Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 erwarten lassen. Der damalige Sturm zählte zu den schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes und hat Schäden von weit über 100 Mrd. USD hinterlassen. Kurzfristig sollte das amerikanische Wirtschaftswachstum durch Produktionsausfälle im Energiebereich und Umsatzeinbußen im Einzelhandel belastet sein, mittelfristig sollte jedoch der Wiederaufbau für einen Investitionsschub sorgen und somit das Wachstum beleben. Der schwelende Streit zwischen Republikanern und Demokraten bezüglich der Anhebung der Schuldenobergrenze konnte vorerst beigelegt werden, da der politische Konsens bestand, schnelle unbürokratische Hilfe für die betroffenen Unwetterregionen zur Verfügung zu stellen. Insgesamt weisen die USA somit ein robustes wirtschaftliches Umfeld auf, das sich auch in den kommenden Quartalen fortsetzen sollte.

EZB unter zunehmenden Druck

Die Europäische Notenbank steht weiterhin unter Zugzwang. Die Wirtschaft in der Eurozone entwickelt sich gut und die Erwartungen an das diesjährige Wirtschaftswachstum wurden auf 2,2% noch oben revidiert. Die Inflationsrate hat sich wieder im positiven Bereich etabliert und somit wird es immer schwieriger den sehr expansiven Kurs der Notenbank zu begründen. Schlagkräftigstes Argument für eine notwendige Änderung der Politik bleibt jedoch das Schuldnerlimit von 33 Prozent, das im Rahmen des monatlichen Anleihekaufprogramms beachtet werden muss. Für einige Länder, wie beispielsweise Deutschland, wurde bereits die 30-Prozent-Marke überschritten. Es wurden also schon fast 1/3 aller umlaufenden deutschen Staatspapiere mit Laufzeiten zwischen 1 und 30 Jahren an die Europäische Zentralbank verkauft. Um nicht eine verdeckte Staatsfinanzierung unterstellt zu bekommen, muss die EZB zeitnah handeln und ihr Anleihekaufprogramm drosseln. Wir erwarten somit Änderungen der bisherigen Notenbankpolitik in den kommenden Monaten.

Entspannte Aktienmärkte

Die Aktienbörsen zeigten sich kaum beeindruckt von den Unwettermeldungen aus Amerika. Auch die schwelende Nordkorea-Konfliktgefahr wird kaum mehr in den Tagesschwankungen wahrgenommen. Der amerikanische Aktienmarkt, gemessen am S&P 500 Index, konnte sogar einen neuen Höchststand erreichen. Für den Euro-Investor blieb von den Kurszuwächsen in diesem Jahr jedoch nichts übrig, da die USD-Abwertung von 13 Prozent den kompletten Aktienjahresertrag neutralisierte. Wir haben aus diesem Grund schon zu Jahresbeginn unser Engagement in US-Titeln deutlich zurückgefahren und Europa und die Schwellenländer favorisiert. Der Ausblick für diese Marktsegmente bleibt zuversichtlich und bietet weiterhin Potential. Die erwartete Änderung der europäischen Notenbankpolitik könnte die Stimmung jedoch kurzfristig eintrüben. Als die US-Notenbank im Jahr 2013 eine ähnliche Änderung ihrer Politik ankündigte, kam es über einige Wochen zu starken Marktverwerfungen und Kursrückgängen im zweistelligen Prozentbereich. Mittlerweile haben die Marktteilnehmer aber mehr Erfahrungen mit ultraexpansiver Notenbankpolitik gemacht und sollten insgesamt besonnener reagieren. Das Umfeld für Aktien bleibt unserer Meinung nach positiv.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

i