Autor: Bastian Ernst
Finanzmarkt aktuell per 11. Juli 2025
Bastian Ernst, Portfoliomanager
Stehen die Zeichen auf Zeitenwende? Während die USA mit einem umstrittenen Haushaltsgesetz und wachsender Verschuldung kämpfen, hellt sich die Stimmung in Europa überraschend auf. Mehr dazu lesen Sie in der heutigen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“:
Fahnen, Feuerwerk, Finanzpaket
US-Präsident Donald Trump konnte sich gegen große Widerstände, auch aus den eigenen Reihen, durchsetzen: Am Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten setze er feierlich seine Unterschrift unter das umstrittene Haushaltsgesetz, „Big Beautiful Bill“ genannt. Damit werden u.a. Steuererleichterungen aus seiner ersten Amtszeit dauerhaft verlängert und Gelder für Verteidigung und Grenzschutz bereitgestellt. In anderen Bereichen, insbesondere bei Sozialleistungen, werden hingegen drastische Einschnitte vorgenommen. Insbesondere das staatliche Gesundheitsprogramm zur Unterstützung von sozial schwächeren Bürgern wird drastisch gekürzt. Das unabhängige Haushaltsbüro des Kongresses schätzt, dass hierdurch in den nächsten zehn Jahren mehr als zwölf Millionen Menschen ihre Krankenversicherung verlieren könnten. Nun sind die USA gemeinhin nicht als Sozialstaat bekannt, gleichwohl ist der Anteil von Sozialleistungen an der Wirtschaftsleistung in den letzten Jahren sukzessive angestiegen und nunmehr nicht weit vom hiesigen Niveau entfernt. Trotz der Kürzungen bleibt das Haushaltsdefizit der USA enorm, so dass die Verschuldung der USA in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Im finalen Gesetz nicht mehr enthalten war hingegen der Entwurf der sogenannten „Section 899“. Dieser Abschnitt sah Strafsteuern für ausländische Unternehmen sowie Anleger vor, deren Herkunftsländer „unfaire Steuerpraktiken“ anwenden. Damit wären europäische Unternehmen und Anleger getroffen worden.
Plötzlich Europa hui, USA pfui?
Wachstum in Europa – Konjunkturschwäche in den USA? Was vor wenigen Monaten noch zu Augenreiben geführt hätte, könnte tatsächlich eintreten. So verbessert sich sowohl bei Dienstleistungen als auch im verarbeitenden Gewerbe die Stimmung europäischer Unternehmen, während sie sich bei den US-Unternehmen in den vergangenen Wochen abkühlte. Das bedeutet zwar nicht, dass die Entwicklung in den USA bereits in den negativen Bereich dreht, gleichwohl zeigt sich die größte Volkswirtschaft der Welt nicht mehr vor Stärke strotzend. Insbesondere der für die US-Konjunktur wichtige Konsum steht dabei im Fokus. Beispielsweise zeigten die jüngsten Aktionstage des weltweit größten Online-Händlers enttäuschende Absätze. In Europa überwiegen hingegen positive Überraschungen, was u.a. durch die günstigeren Finanzierungsbedingungen unterstützt ist. Während die US-Notenbank Federal Reserve weiterhin ihren vorsichtigen Kurs fortsetzt, hat die EZB bereits mehrfach die Zinsen gesenkt.
Zurück auf Los
Politische Unsicherheit sowie die Sorge vor einer ausufernden Verschuldung in den USA haben dazu geführt, dass der US-Dollar in diesem Jahr deutlich an Wert verloren hat. Nunmehr steht der US-Dollar zum Euro in etwa auf dem gleichen Niveau wie bei Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung vor über 26 Jahren. Das aktuelle Verhältnis des Währungspaars entspricht zudem auch nahezu exakt dem Durchschnittsniveau in ebendiesem Zeitraum. Die plötzlich einsetzende Dollarschwäche belastet in diesem Jahr die Anlage in US-Aktien, während europäische und insbesondere deutsche Aktien eine merklich bessere Entwicklung aufweisen können. Gleichwohl dürfte die anstehende Quartalsberichtssaison zeigen, dass der schwache US-Dollar auch auf den Gewinnen derjenigen europäischen Unternehmen lasten dürfte, die in die USA exportieren. Damit wird die Gewinnentwicklung dieser Unternehmen abermals hinter der von US-Unternehmen liegen. Angesichts der dominierenden Stellung der großen Technologiekonzerne in den US-Aktienindizes werden diese per Saldo hingegen weiterhin wachsende Gewinne verzeichnen. Daher bleiben wir auch für US-Aktien weiterhin positiv gestimmt. Gleichwohl dürfte die erratische Politik im Weißen Haus dafür sorgen, dass die Unsicherheit hoch bleibt, was temporäre Rücksetzer wahrscheinlich macht. Die Ausgangslage erscheint trotz Höchstständen bei US-Indizes indes besser als zu Jahresbeginn.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
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