Autor: Jens Herdack
Finanzmarkt aktuell per 8. August 2025
Jens Herdack, CEFA, CIIA, Portfoliomanager
Er hat es wieder getan. Wieder hat Donald Trump die Zollkeule geschwungen und damit für ausreichend Gesprächsstoff an den Märkten gesorgt. Neu ist aber, dass er nicht die Ursachen bestimmter Probleme angeht, sondern den Überbringer der schlechten Botschaften entlässt. In jedem Falle wieder viel Material für unser heutiges „Finanzmarkt aktuell“:
Trump entlässt Überbringerin schlechter Nachrichten
Ein wichtiges Konjunkturbarometer ist in den USA der Arbeitsmarkt. Da die US-Volkswirtschaft zu einem sehr großen Teil auf dem starken Konsum der Verbraucher basiert, ist es dementsprechend wichtig, dass möglichst viele Konsumentinnen und Konsumenten in Lohn und Brot stehen. Mithin war die Enttäuschung am Markt groß, als am letzten Freitag die Zahl der neugeschaffenen Stellen in den USA veröffentlicht wurde. Nicht nur die aktuelle Zahl enttäuschte, es wurden auch die Vormonatswerte deutlich nach unten korrigiert. Damit stellt sich auch für uns die Frage, ob die US-Konjunktur noch so solide aufgestellt ist wie bisher angenommen. Wir rechnen dementsprechend bei der Wachstumserwartung für die amerikanische Volkswirtschaft damit, dass sie sich eher am unteren Ende unseres Erwartungsbandes von 0% bis 1,5% für dieses Jahr wiederfindet. Ein Stagflationsumfeld mit erhöhter Inflation und schwachem Wachstum halten wir für das wahrscheinlichste Szenario. Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er auf diese enttäuschenden Veröffentlichungen nicht auf seine ganz eigene Art und Weise reagiert hätte. Und so verkündete er kurz nach der Veröffentlichung der Zahlen die Entlassung der Chefin der für die Berechnung zuständigen Behörde.
Beginn des Umbaus der Zentralbank im Geiste Trumps
Daneben eröffnet sich für ihn auch früher als gedacht die Möglichkeit, einen wichtigen Posten innerhalb der Zentralbank neu zu besetzen. Mit Adriana Kugler trat ein Mitglied des Federal Open Market Committee (FOMC) zurück, welches über die Notenbankpolitik und damit auch über die Leitzinsen entscheidet. Offiziell gab sie keinen Grund für ihren vorzeitigen Rücktritt bekannt, es wird jedoch allgemein vermutet, dass der erhebliche Druck der Trump-Administration auf die Notenbank, die Zinsen zu senken, in direktem Zusammenhang mit ihrer Entscheidung steht. Neben dem im nächsten Jahr anstehenden Wechsel an der Zentralbankspitze wird die Trump-Administration nun bereits einen ersten Posten mit einem Kandidaten besetzen können, der eher Zinssenkungen zugeneigt ist.
Trump holt die Zollkeule wieder raus
Neben diesen innenpolitischen ficht Donald Trump auch seine außenpolitischen Kämpfe weiter aus. Erneut verkündete er drastische Zölle auf Exporte von diversen Ländern in die USA. Dabei werden die Schweiz mit 39 Prozent und Südafrika mit 30 Prozent am heftigsten getroffen. Zusätzlich nutzt er dieses Instrument auch, um den Druck auf Moskau im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine zu erhöhen. So kündigte er 50 Prozent Zölle auf Waren aus Indien an. Diese Maßnahme begründete er mit den nach wie vor hohen Ölimporten des Landes aus Russland. Indien soll dabei nicht das einzige Land bleiben. Letztlich bezweckt er, dass Russland auf diesem Wege der Geldhahn immer weiter abgedreht wird bzw. die betroffenen Staaten ihrerseits Druck auf Russland ausüben. Ob diese Vorgehensweise wirkt, wissen wir nicht, aber immerhin scheint ein Treffen Putins mit Donald Trump in den nächsten Tagen in greifbare Nähe zu rücken.
Märkte reagieren nur kurz auf US-Konjunktursorgen
Die Finanzmärkte reagierten nur kurz auf die schwachen Arbeitsmarktzahlen in den USA. So verlor der US-Aktienindex S&P 500 am Tag der Verkündung 3 Prozent an Wert. Zehnjährige US-Staatsanleihen verzeichneten einen Renditerückgang von 4,4 auf 4,2 Prozent vor dem Hintergrund, dass die Marktteilnehmer – wir eingeschlossen – nun wieder eine höhere Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen in den USA sehen. Eine Fortsetzung der Kursbewegung fiel dann aber aus. Der Aktienmarkt konnte in dieser Woche die Abschläge bereits wieder zur Hälfte aufholen. Dahinter steht sicherlich die nach wie vor robuste Verfassung der Unternehmen. Statt erwarteter 4 Prozent Gewinnwachstum, konnten die S&P-500-Unternehmen im letzten Quartal mit einem Wachstum von knapp 12 Prozent deutlich überraschen. Schaut man in die Quartalsberichte, so zeigen sich die Unternehmen nach wie vor zuversichtlich, die Zölle über Preissteigerungen und Lieferkettenanpassungen ausgleichen zu können. Mithin ging auch die Marge der Unternehmen im abgelaufenen Quartal kaum zurück.
Aktien attraktiv – Unternehmensanleihen weniger …
Wir bleiben weiterhin zuversichtlich für die Aktienmarktentwicklung. Zwar laufen wir nun in die statistisch schwächeren Sommerbörsenmonate. Mittelfristig sieht es aber besser aus, als man es vor dem Hintergrund der politischen Zoll-Drohkulisse erwarten würde. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass europäische Unternehmen nicht nur durch die Zölle, sondern auch durch den starken Euro belastet werden, weshalb das Gewinnwachstum hier eher mau ausfällt. Es kommt weiter darauf an, selektiv vorzugehen und Unternehmen zu meiden, die von Zöllen und Wechselkursen am stärksten getroffen werden. US-Technologiekonzerne bzw. europäische Banken sehen wir hier beispielsweise im Vorteil. Rentenseitig lohnt das Risiko von Unternehmensanleihen hingegen zunehmend weniger. Zu dicht liegen die Renditen risikoarmer EU-Staatspapiere an denen der Unternehmensanleihen. Am Rentenmarkt heißt es also weiter auf gute Bonitäten zu setzen und abzuwarten, bis sich Investitionsmöglichkeiten ergeben.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
Wir verwenden Cookies, die unbedingt erforderlich sind, um Ihnen unsere Website zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie Ihre Zustimmung erteilen, verwenden wir zusätzliche Cookies, um zum Zwecke der Statistik (z.B. Reichweitenmessung) und des Marketings (wie z.B. Anzeige personalisierter Inhalte) Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website zu verarbeiten. Hierzu erhalten wir teilweise von Google weitere Daten. Weiterhin ordnen wir Besucher über Cookies bestimmten Zielgruppen zu und übermitteln diese für Werbekampagnen an Google. Detaillierte Informationen zu diesen Cookies finden Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz. Ihre Zustimmung ist freiwillig und für die Nutzung der Website nicht notwendig. Durch Klick auf „Einstellungen anpassen“, können Sie im Einzelnen bestimmen, welche zusätzlichen Cookies wir auf der Grundlage Ihrer Zustimmung verwenden dürfen. Sie können auch allen zusätzlichen Cookies gleichzeitig zustimmen, indem Sie auf “Zustimmen“ klicken. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit über den Link „Cookie-Einstellungen anpassen“ unten auf jeder Seite widerrufen oder Ihre Cookie-Einstellungen dort ändern. Klicken Sie auf „Ablehnen“, werden keine zusätzlichen Cookies gesetzt.