Stillstand? Auswirkungen des Government Shutdowns

Stillstand historischen Ausmaßes

Geldpolitik im Blindflug

Wachstumsmotor Künstliche Intelligenz

 

Autor: Bastian Ernst
Finanzmarkt aktuell per 7. November 2025
Bastian Ernst, Portfoliomanager

Bastian Ernst Portfoliomanager

Behörden stehen still – Gewinne laufen auf Hochtouren. Während der US-Haushaltsstreit ein historisches Ausmaß annimmt und der US-Notenbank Kopfzerbrechen bereitet, überzeugen die Unternehmen abermals mit starken Ergebnissen. Mehr dazu lesen Sie in der heutigen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

Stillstand historischen Ausmaßes

Nachdem die Aufbruchstimmung des Jahresbeginns zuletzt etwas versiegte, zeigen die jüngsten Konjunkturindikatoren wieder verbesserte Aussichten für die Konjunktur Europas. Insbesondere im Dienstleistungssektor verbesserte sich die Stimmung zuletzt, und auch wenn es im verarbeitenden Gewerbe verfrüht ist, von Aufschwung zu sprechen, so hellte sich die Stimmung auch dort merklich auf. So dürfte Europa wieder mit mehr Rückenwind und Konjunkturpaketen ins neue Jahr starten. In den USA verschlechterte sich die Konsumentenstimmung indes weiter. Steigende Preise und eine merkliche Abkühlung am Arbeitsmarkt sorgen für Bedenken bei den US-amerikanischen Verbrauchern. Zudem dauern die politischen Streitigkeiten um den Haushalt an. Entsprechend bleiben die meisten US-Behörden aufgrund des sogenannten „Government Shutdown“ geschlossen. Dieser markiert nun einen unrühmlichen Rekord: Nie zuvor dauerte ein solcher in den Vereinigten Staaten so lange wie aktuell. Darüber hinaus dürften auch die wirtschaftlichen Folgen diesmal stärker spürbar sein. Zwar werden u.a. die Gehälter von Staatsangestellten mit Ende des Shutdowns voraussichtlich nachbezahlt, dies gilt jedoch nicht in vollem Umfang für private Zulieferer und Subunternehmer. Damit gilt: Je länger der Shutdown andauert, desto größer sind die wirtschaftlichen Auswirkungen. Zudem wurden auch Entlassungen von Staatsbediensteten ausgesprochen, gleichwohl die Rechtmäßigkeit dieser Entlassungen noch infrage steht. Nichtsdestotrotz dürfte die US-Konjunktur auch im kommenden Jahr, getrieben durch Investitionen und weiterhin resilienten Konsum, solide wachsen.

Geldpolitik im Blindflug

Auch die US-amerikanischen Währungshüter dürften den andauernden „Shutdown“ mit Sorgenfalten beobachten. Denn die staatlichen Statistikbehörden bleiben hiervon ebenfalls nicht verschont, so dass derzeit keine offiziellen Daten in Bezug auf Arbeitsmarkt und Inflation erhoben werden können. Aus Sicht der Federal Reserve (Fed) ein Hindernis zur Unzeit, muss sie doch einen ohnehin schwierigen Spagat zwischen wieder anziehender Inflation und einem sich gleichzeitig abschwächenden Arbeitsmarkt schaffen. Zwar senkte die Fed in der vergangenen Woche erwartungsgemäß zum zweiten Mal in Folge ihren Leitzins und gab gleichzeitig ein Ende ihres Bilanzabbaus bekannt. Gleichzeitig betonte Fed-Chef Jerome Powell aber, dass ein weiterer Zinssenkungsschritt bei der Dezembersitzung der US-Notenbank keineswegs ausgemachte Sache sei. In der Folge kletterten die US-Renditen trotz gesenkter Leitzinsen nach oben. Die geldpolitische Richtung bleibt unverändert: Die US-Notenbank wird sukzessive ihren Leitzins senken, das Tempo bleibt hingegen unklar. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte indes vorerst das Ende ihres Zinssenkungszyklus erreicht haben, denn die Inflationsrate verharrte im Euroraum mit zuletzt 2,1 Prozent in etwa auf Zielniveau.

Wachstumsmotor Künstliche Intelligenz

Während sich die Konjunktur zwar solide zeigt, aber auch keine Luftsprünge hervorruft, konnten die US-amerikanischen Unternehmen in der laufenden Gewinnberichtssaison abermals überzeugen. So wuchsen die Gewinne auch im dritten Quartal dieses Jahres merklich stärker, als Finanzanalysten erwartet hatten. In Anbetracht der sehr hohen Bewertung, insbesondere von US-Technologieaktien, sind gute Unternehmensergebnisse jedoch auch Pflicht, um die Kursniveaus zu rechtfertigen. Neben den Gewinnen wachsen aber vor allen Dingen auch die Investitionen in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz – insbesondere Datenzentren – wovon zahlreiche Unternehmen profitieren konnten. Aktionäre nahmen die Ankündigungen der großen amerikanischen Cloud-Betreiber, ihre Investitionen im kommenden Jahr abermals zu erhöhen, indes mit gemischten Gefühlen auf. Zwar zeigten sich die Unternehmen weiter sehr optimistisch, bei einigen Anlegern bleibt jedoch die Sorge, ob ein künftiger Mehrertrag Investitionen dieser Größenordnung rechtfertigt. Allein fünf US-Technologiekonzerne werden im kommenden Jahr über 500 Milliarden US-Dollar an Investitionen tätigen – mehr als die Bundesrepublik durch Sondervermögen zur Verfügung hat. Mögliche Rücksetzer bleiben unseres Erachtens jedoch Gelegenheiten, um Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen und strukturellem Wachstumspotential zuzukaufen. Diesseits des Atlantiks konnten die Unternehmen zwar auch besser berichten als befürchtet, verglichen mit der US-Konkurrenz bleiben die Gewinne europäischer Unternehmen aber weiterhin deutlich zurück. Insbesondere exportorientierte Konzerne wurden durch das Zusammenspiel aus starkem Euro und Zollstreit mit den USA belastet. So werden Europas Aktienkonzerne auch in diesem Jahr unterm Strich kein nennenswertes Gewinnwachstum verzeichnen können, während US-Konzerne abermals zweistelliges Gewinnwachstum erzielen sollten.

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