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Zur Jahresmitte stehen die Zeichen nach wie vor auf Wachstum.

Konjunktur: Wachstum in allen Regionen

Renten: Renditeanstieg bietet Einstiegschancen

Aktien: Sorglosigkeit unter Marktteilnehmern

 

Autor: Alexander Lukas
Finanzmarkt aktuell per 7. Juli 2017
Alexander Lukas, CFA, Portfoliomanager

Alexander Lukas

Zur Jahresmitte stehen die Zeichen nach wie vor auf Wachstum. So dürfte nach aktuellen Schätzungen die USWirtschaft in diesem Jahr um etwas über zwei Prozent und die Eurozone leicht unter zwei Prozent wachsen. Deutlich höheres Wirtschaftswachstum ist, wie in den Vorjahren auch, in den Schwellenländern zu erwarten. Allerdings lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Die beiden größten Sorgenkinder der vergangenen Jahre – Russland und Brasilien – sollten zum Beispiel wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren können, während in China und Indien gewohnt hohe Wachstumsraten im mittleren einstelligen Bereich zu erwarten sind. Innerhalb Europas lohnt es sich, auch einen Blick auf die osteuropäischen Nachbarn zu werfen, die im Sog der Wirtschaftserholung in Westeuropa Wachstumsraten von zum Teil über drei Prozent aufweisen. Die restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank und der damit recht starke US-Dollar stellen klassischerweise allerdings ein Risiko für einige Schwellenländer dar, vor allem, wenn sie aufgrund eines Leistungsbilanzdefizites auf Dollar-Finanzierungen angewiesen sind. Man kann aber mittlerweile konstatieren, dass viele Schwellenländer ihre Leistungsbilanzdefizite abgebaut und Währungsreserven aufgebaut haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist in diesem Jahr noch weit davon entfernt, die Zinsen anzuheben. Allerdings mehren sich die Aussagen und Anzeichen, dass bereits zum Jahreswechsel ein Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm begonnen wird. Den durch die jüngsten Aussagen Mario Draghis begonnenen Renditeanstieg und den zwischenzeitlichen Höhenflug des Euros halten wir allerdings für verfrüht und übertrieben. Der EZB-Chef äußerte sich bei einer Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra optimistisch zu Konjunktur und Inflation und sprach über eine „Normalisierung der Leitzinsen“. Marktteilnehmer werteten die Aussagen vermutlich stärker, als es von der EZB beabsichtigt wurde.

Die Rentenmärkte, insbesondere Staatsanleihen, verloren daraufhin. Die wieder etwas höheren Renditeniveaus können aber durchaus auch zum Kauf etwas länger laufender Anleihen genutzt werden. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2013, als erste Gerüchte über ein Tapering der US-Notenbank aufkamen, zeigen, dass die Rendite 10-jähriger US-Anleihen nur anfänglich stieg. Als im Dezember des Jahres zum Ende der Amtszeit des damaligen Notenbank-Chefs Bernanke tatsächlich die Reduzierung der Anleihekäufe beschlossen wurde, fiel die Rendite von US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten sogar, und die Kurse stiegen. Anleihen mit kurzer Laufzeit hingegen mussten sukzessive Renditeanstiege hinnehmen. Rentenpapiere mit variablem Kupon können bei steigenden Zinsen eine Lösung sein, weswegen wir schon seit einiger Zeit einen Teil der Rentendepots in diese Papiere investieren. Da die EZB auch Unternehmensanleihen erwirbt, sehen wir hier das bessere Chancen-/Risikoverhältnis als bei Staatsanleihen. Die fundamentale Stärke vieler Unternehmen und die sich bessernde Konjunktur untermauern diese Ansicht. Ähnliches gilt für Schwellenländeranleihen. Die generell höheren Renditeniveaus werden von einer Wirtschaftserholung und besseren Kreditwürdigkeiten flankiert und machen sie so zu einer guten Beimischung in Rentendepots. Wir bevorzugen die Region Asien und Strategien mit eher kürzeren Laufzeiten.

Der Blick auf die Volatilität, also die Schwankung an den Aktienmärkten lässt einen glauben, dass das Sommerloch schon eingesetzt hat. Die entsprechenden Indizes, die die Volatilitäten abbilden, rangieren seit geraumer Zeit auf historisch niedrigen Niveaus. Damit signalisieren sie ein hohes Maß an Sorglosigkeit unter den Marktteilnehmern. Da die Kurssteigerungen der vergangenen Monate gerade in Europa mit entsprechenden Umsatz- und Gewinnsteigerungen der Unternehmen einhergehen, sehen wir in der Unbekümmertheit noch keinen Grund zur erhöhten Vorsicht. Während vor allem die US-Aktien schon sehr hoch bewertet sind, sind größere Chancen in strategischen Schwellenländerinvestitionen zu sehen. Wie bereits beschrieben, erwarten wir in diesem Jahr in vielen Ländern höhere Wachstumsraten und seitens der Unternehmen auch Gewinnsteigerungen. Interessant bleibt Asien, v.a. Indien, und auch Osteuropa. Dabei sind die Bewertungen noch nicht so hoch. Eine Einbahnstraße ist der Aktienmarkt bekanntlich aber nicht. Daher sollte den Anlegern trotz der aktuellen Sorglosigkeit und den guten Argumenten für steigende Kurse immer im Hinterkopf bleiben, dass es manchmal nur einen kleinen Auslöser braucht, um eine größere Kurskorrektur auszulösen. Mögliche Gefahren gibt es mit den Brexitverhandlungen, den geopolitischen Risiken sowie den restriktiveren Zentralbanken genug.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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