Autor: Daniel Schär
Finanzmarkt aktuell per 7. April 2025
Daniel Schär, Leiter Vermögensverwaltung
Der „Tag der Befreiung“, den der amtierende US-Präsident am vergangenen Mittwoch ausrief, hat jetzt schon einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher. Mit einem regelrechten Feuerwerk an neuen Zöllen auf US-Importe aus der gesamten Welt sollen die internationalen Handelsströme neu adjustiert werden. Die Kapitalmärkte reagierten mit deutlichen Kursrückgängen auf die gestiegene Unsicherheit. Wie wir dieses schwierige Umfeld einschätzen, lesen Sie in unserer heutigen Sonderausgabe von Finanzmarkt aktuell:
Alles tanzt nach meiner Pfeife
Bereits in der ersten Amtsperiode von Donald Trump waren Zölle sein Lieblingsinstrument in der Handelspolitik. Im Wahlkampf des letzten Jahres und auch seit seiner Amtseinführung wiederholte er mantraartig seine Liebe zu Zöllen. Am 2. April holte er nun zum Rundumschlag gegen, aus seiner Sicht, unfaire Handelspraktiken aus und verhängte Zölle auf US-Importe nahezu aller Handelspartner. Weniger die Implementierung als die Höhe der Zölle schockierte. Ein nicht verhandelbarer Universalzoll von 10 Prozent auf alle Importe und zusätzliche länder- und sektorabhängige Zölle lassen den Durchschnittszollsatz auf über 20 Prozent hochschnellen. Das ist circa eine Verzehnfachung gegenüber dem Jahr 2024 und der höchste Satz seit einem Jahrhundert. Vor allem China steht im Mittelpunkt des Politikwechsels. Für die globalisierte Welt ist es insgesamt ein sehr herber Schlag, wenn die größte Volkswirtschaft der Welt sich abschottet und vom freien Welthandel verabschiedet.
Ein Zollkrieg hat keine Gewinner
Die Folgen sind schwer auszumachen, da sie von der Dauer und Höhe der implementierten Zölle und möglichen Gegenmaßnahmen der Handelspartner abhängen. Grundsätzlich gibt es keine Gewinner in einem Handelskrieg. Betrachtet man die Zölle ohne Gegenzölle, so wären die USA am stärksten betroffen. Unser Konjunkturbild hat sich folglich für die USA mit Blick auf dieses Jahr deutlich verändert. Wir gehen nun von einer leichten Rezession in den USA aus, da die Konsumenten ein Preisschock erwartet und diese ihren Konsum deutlich reduzieren werden. US-Unternehmen sollten in dieser Unsicherheitsphase Investitionen stärker zurückstellen. Europa wird maßgeblich im Exportgeschäft unter Druck gesetzt. Auch hier erwarten wir eine Konjunkturabschwächung, allerdings moderater im Vergleich zu den USA. Das liegt daran, dass in Europa nur die Exporte in die USA betroffen sind. Die Inflation in der Eurozone sollte sich auf ca. 2 Prozent abschwächen, da wir erstens eine schwächere Nachfrage erwarten und gleichzeitig mit einer Schwemme von Produkten aus Asien rechnen müssen, die in den USA nicht mehr abgesetzt werden können. Auch für China und Rest-Asien erwarten wir negative Folgen der Zölle und haben unsere Wachstumserwartungen reduziert.
Hoffnungsträger verzweifelt gesucht
In Krisenphasen richten sich die Blicke schnell auf Notenbanken und Staaten, um unterstützend zu agieren. Historisch konnten diese Instanzen stabilisierend wirken. Die US-Notenbank (Fed) steht hier vor besonders großen Herausforderungen. Einerseits wird die Inflationsrate durch die Zölle wieder ansteigen, andererseits wird das Wirtschaftswachstum zurückgehen. Es gilt somit, Handlungsbereitschaft zu signalisieren, um Vertrauen zu schaffen, aber auch datenabhängig und nicht zu schnell zu agieren. Wir erwarten, dass die Fed spätestens ab dem Sommer auf schwache Konjunkturdaten mit Zinssenkungen reagieren wird. Die EZB hat aus unserer Sicht aufgrund geringerer Inflationsgefahren mehr Spielraum für Zinssenkungen. Wir rechnen bis zum Jahresende mit drei weiteren Zinssenkungen. Fraglich ist, wie die Staaten reagieren werden. In Europa hat lediglich Deutschland mit den neuen Milliardenpakten für Infrastruktur, Klima und Verteidigung große Spielräume, um mit Fiskalausgaben die Wirtschaft zu stützen. Europäische Gegenzölle würden hingegen die heimische Wirtschaft belasten. Auch die US-Regierung hatte ursprünglich auf der Agenda, Verbraucher und Unternehmen im großen Stil steuerlich zu entlasten. Um diese Pläne ist es aktuell jedoch relativ ruhig geworden. Sollte ein Steuersenkungspaket oder gegebenenfalls auch das Thema Deregulierung wieder intensiver thematisiert werden, könnte dies stabilisierend wirken.
Risikostreuung ist oberstes Gebot
Das Ausmaß der neuen Handelspolitik der USA hat Schockwellen in die internationalen Finanzmärkte gesendet. Die Aktienbörsen erlebten weltweit einen Ausverkauf und zweistellige Kursrückgänge. Sichere Häfen, wie deutsche oder auch amerikanische Staatsanleihen, waren gefragt und konnten Kursgewinne verzeichnen. Das Vertrauen in eine wirtschaftsfreundliche US-Politik ist erstmal passé. Wir erwarten eine Abschwächung des Unternehmensgewinnwachstums sowohl in den USA als auch in Europa. Durch eine länger anhaltendende Unsicherheitsphase werden die Verbraucher, insbesondere in den USA, zurückhaltender agieren, was die Gewinne der Unternehmen belastet. Für die zuletzt von Euphorie getragenen europäischen Aktienmärkte ist fraglich, ob die relative Stärke aufrechterhalten werden kann. Das Gebot der Stunde lautet in unseren Augen: Risikostreuung des Gesamtvermögens über Anlageklassen, Regionen, Branchen und Titel. Das hört sich banal an, war in den letzten Jahren jedoch bei den wenigsten Kapitalanlegern vorzufinden. Allen voran haben internationale Aktienindizes wie der MSCI World in den vergangenen Jahren eine hohe Konzentration in US-Aktien sowie wenigen Einzelwerten und Sektoren erreicht. Eine Gewichtung von mehr als 70 Prozent in den USA fanden wir schon immer zu konzentriert, und wir haben hier bewusst adjustiert. Eine Orientierung an der Wirtschaftsleistung ergibt beispielsweise eine ausgewogenere Struktur und reduziert das US-Gewicht auf ca. 50 Prozent. Wir haben uns in den vergangenen Wochen im Aktienbereich defensiver positioniert und weniger konjunktursensible Sektoren wie beispielsweise Versorger oder nicht-zyklische Konsumgüter aufgestockt. Das Börsenumfeld wird unserer Meinung nach herausfordernd und schwankungsanfällig bleiben. Phasen wie diese boten jedoch historisch auch immer gute Gelegenheiten, ertragsstarke Unternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell zu attraktiven Kursen zu erwerben. Diese wollen wir bewusst wahrnehmen. Im Rentenbereich waren die Risikoprämien zuletzt unattraktiv, und wir haben über das gesamte letzte Jahr hinweg den Anteil von Risikopapieren zugunsten von Staatsanleihen reduziert. Nun dreht sich hier langsam der Wind und macht Investitionen zunehmend attraktiver.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
Wir verwenden Cookies, die unbedingt erforderlich sind, um Ihnen unsere Website zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie Ihre Zustimmung erteilen, verwenden wir zusätzliche Cookies, um zum Zwecke der Statistik (z.B. Reichweitenmessung) und des Marketings (wie z.B. Anzeige personalisierter Inhalte) Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website zu verarbeiten. Hierzu erhalten wir teilweise von Google weitere Daten. Weiterhin ordnen wir Besucher über Cookies bestimmten Zielgruppen zu und übermitteln diese für Werbekampagnen an Google. Detaillierte Informationen zu diesen Cookies finden Sie in unserer Erklärung zum Datenschutz. Ihre Zustimmung ist freiwillig und für die Nutzung der Website nicht notwendig. Durch Klick auf „Einstellungen anpassen“, können Sie im Einzelnen bestimmen, welche zusätzlichen Cookies wir auf der Grundlage Ihrer Zustimmung verwenden dürfen. Sie können auch allen zusätzlichen Cookies gleichzeitig zustimmen, indem Sie auf “Zustimmen“ klicken. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit über den Link „Cookie-Einstellungen anpassen“ unten auf jeder Seite widerrufen oder Ihre Cookie-Einstellungen dort ändern. Klicken Sie auf „Ablehnen“, werden keine zusätzlichen Cookies gesetzt.