KI bleibt zentrales Marktthema

Zölle als Druckmittel oder Einnahmequelle
KI aus China fordert US-Technologieunternehmen heraus

 

Autor: Dr. Martin Zurek
Finanzmarkt aktuell per 7. Februar 2025
Dr. Martin Zurek, Portfoliomanager

Dr. Martin Zurek, Portfoliomanager

Die Finanzmärkte erlebten einen turbulenten Jahresauftakt. Diskussionen über neue US-Strafzölle auf Importe aus China, Mexiko und Kanada schürten Unsicherheit an den Börsen, während kosteneffiziente KI-Assistenten aus China die Dominanz der US-Tech-Giganten ins Wanken brachten. Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf Anleger haben, analysieren wir in dieser Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell”.

Zölle als Druckmittel oder Einnahmequelle

Die Unsicherheit über neue Zölle belastet erneut die Finanzmärkte. Präsident Donald Trump hat die geplanten Einfuhrzölle auf Waren aus Kanada und Mexiko in Höhe von 25 Prozent vorerst für 30 Tage ausgesetzt, was kurzfristig für Erleichterung an den Finanzmärkten sorgte. Gleichzeitig führte die US-Regierung jedoch neue Abgaben in Höhe von 10 Prozent auf Importe aus China ein, die am 4. Februar 2025 in Kraft traten. Diese Zölle liegen deutlich unter den 60 Prozent, die Trump im Wahlkampf angekündigt hatte. Das deutet darauf hin, dass weiterhin Spielraum für Verhandlungen besteht. China reagierte mit Strafzöllen auf rund 80 US-Produkte. Zusätzlich setzt Peking auf Sanktionen wie strengere Exportkontrollen für essenzielle Rohstoffe und regulatorische Prüfungen gegen US-Unternehmen. Trotz dieser Schritte beurteilen wir die chinesische Reaktion als vergleichsweise zurückhaltend. Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass die chinesische Regierung eine weitere Eskalation des Handelskonflikts herbeiführen möchte. Zu schwach ist aktuell die Konjunktur im Reich der Mitte, und zu groß sind dementsprechend die innenpolitischen Herausforderungen der kommunistischen Partei. Eine Ausweitung des Handelskonflikts mit all seinen negativen Auswirkungen auf das chinesische Wirtschaftswachstum würde den Druck auf die politischen Machthaber in Peking weiter erhöhen. An den Finanzmärkten wird diese Entwicklung als mögliches Zeichen der Entspannung gewertet. Die Währungskurse reagierten nur vorübergehend auf die neuen Maßnahmen, bevor sie wieder auf ihre vorherigen Niveaus zurückkehrten. Dies deutet darauf hin, dass Investoren das Vorgehen beider Staaten eher als taktisches Manöver denn als ernsthafte Eskalation betrachten. Diese Sichtweise könnte bald ernsthaft auf die Probe gestellt werden, da auf der Seite der USA weitreichende globale Zölle als lukrative Einnahmequelle für den US-Staatshaushalt zur Diskussion stehen. Sollten sich diese materialisieren, dürfte mit deutlichen Schwankungen an den Märkten zu rechnen sein. An den Rentenmärkten sind die Risikoprämien in diesem Umfeld erstaunlicherweise weiterhin auf historisch niedrigen Niveaus, die aus unserer Sicht das Risiko einer Ausweitung des Handelskonflikts zu wenig berücksichtigen. Daher bevorzugen wir insbesondere bei langen Laufzeiten staatliche oder staatsnahe Emittenten mit höchster Bonität.

KI aus China fordert US-Technologieunternehmen heraus

Künstliche Intelligenz (KI) bleibt auch in diesem Jahr ein zentrales Marktthema. US-Technologiekonzerne investieren weiter massiv in Rechenzentren und leistungsfähigere Modelle, während die Politik die Entwicklung gezielt unterstützt. Präsident Donald Trump stellte das Projekt Stargate vor, das in den kommenden vier Jahren bis zu 500 Milliarden US-Dollar für den Ausbau von KI-Infrastruktur vorsieht. Der Bau neuer Rechenzentren soll das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die technologische Führungsrolle der USA im globalen Wettbewerb weiter festigen. Die Aktienmärkte reagierten zunächst sehr positiv auf die angekündigten Investitionspläne. Die Rallye fand jedoch ein abruptes Ende, als das chinesische KI-Start-up DeepSeek ein neues Sprachmodell präsentierte, das mit den leistungsstärksten Modellen der US-Konkurrenz mithalten kann, jedoch deutlich kostengünstiger in Entwicklung und Betrieb ist. Während US-Technologiekonzerne Milliarden in die Entwicklung von KI-Modellen investierten, gelang es DeepSeek, eine effizientere Lösung zu schaffen, die mit erheblich weniger Rechenkapazität auskommt und nur einen Bruchteil der Kosten verursacht. Das Unternehmen machte zudem seinen Entwicklungsprozess frei zugänglich, so dass andere Entwickler darauf aufbauen können. Effizienz gewinnt dadurch wieder mehr an Bedeutung und stellt die hohen KI-Infrastruktur-Investitionen der US-Konzerne infrage. US-Technologieaktien gerieten daraufhin unter Druck. Besonders stark traf es KI-Chiphersteller, die zusätzlich unter Importbeschränkungen von KI-Chips für den chinesischen Markt leiden. Dennoch halten die großen US-Technologieunternehmen an ihren Investitionsplänen für KI-Infrastruktur fest und haben diese sogar ausgeweitet. Sie sehen den Ausbau als entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Märkte reagierten jedoch verhalten und hinterfragen zunehmend die hohen Bewertungen von US-Computerchipaktien. Kurzfristige Kursrücksetzer bei Chipaktien im Besonderen und Technologieaktien im Allgemeinen sind daher in den nächsten Wochen wahrscheinlich. Mittelfristig sehen wir aufgrund von guten Quartalsergebnissen und weiterhin positiven Wachstumsraten jedoch weiteres Kurspotential. Zudem betrachten wir die neuesten Entwicklungen rund um DeepSeek als wichtigen Evolutionsschritt in der KI-Entwicklung. Durch die gestiegene Effizienz sinken die Einstiegshürden, was mehr Wettbewerb und Innovation ermöglicht. Dies könnte langfristig zu einer noch dynamischeren Entwicklung in der Technologiebranche führen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

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Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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