Aktienmärkte: geopolitische Risiken treffen auf solide Unternehmensgewinne

Wirtschaft und Konjunktur – robuste Weltwirtschaft, aber steigende Unsicherheit

Rentenmärkte – steigende Renditen durch höhere Inflationserwartungen

Aktienmärkte – geopolitische Risiken treffen auf solide Unternehmensgewinne

 

Autor: Marthel Edouard
Finanzmarkt aktuell per 6. März 2026
Marthel Edouard, CFA

Marthel Edouard Portfoliomanager

Die internationalen Kapitalmärkte standen in den vergangenen zwei Wochen erneut unter dem Einfluss geopolitischer Entwicklungen. Vor allem die militärische Eskalation im Nahen Osten sorgte zeitweise für erhöhte Schwankungen an den Finanzmärkten. Gleichzeitig zeigen Konjunkturdaten und Unternehmensberichte weiterhin eine insgesamt robuste wirtschaftliche Entwicklung. Wie wir die aktuelle Lage und Aussichten für die Kapitalmärkte einschätzen, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.

Wirtschaft und Konjunktur – robuste Weltwirtschaft, aber steigende Unsicherheit

Im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Diskussionen steht derzeit der Konflikt im Nahen Osten. Für die Weltwirtschaft ist dabei vor allem entscheidend, ob wichtige Energie- und Handelsrouten in der Golfregion beeinträchtigt werden und wie lange mögliche Störungen anhalten. Über die Straße von Hormus wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert, so dass mögliche Einschränkungen erhebliche Auswirkungen auf die Energiepreise und damit auch auf Inflation und Wachstum haben könnten. Die Ölpreise reagierten entsprechend mit deutlichen Ausschlägen. Das tatsächliche Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen hängt jedoch vor allem von Dauer und Intensität der Kampfhandlungen ab. Höhere Energiepreise könnten kurzfristig die Inflation erhöhen und das Wirtschaftswachstum etwas belasten. Abseits der geopolitischen Risiken zeigt sich die konjunkturelle Entwicklung weiterhin stabil. In den USA deuten aktuelle Daten auf eine robuste Wirtschaft hin. Auch in Europa verbesserten sich zuletzt einige Frühindikatoren. Gleichzeitig bleibt die Inflationsentwicklung uneinheitlich. Die Teuerungsrate im Euroraum stieg im Februar wieder leicht auf 1,9 %, während die Kerninflation auf 2,4 % anzog. Höhere Energiepreise könnten den Preisdruck kurzfristig verstärken, ein dauerhafter Inflationsschub erscheint derzeit jedoch nicht wahrscheinlich. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der Konflikt im Nahen Osten regional und zeitlich begrenzt bleibt. In diesem Fall dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft insgesamt überschaubar bleiben. Größere Belastungen wären vor allem dann zu erwarten, wenn es zu länger anhaltenden Störungen der Energieversorgung oder wichtiger Handelswege kommen sollte.

Rentenmärkte – steigende Renditen durch höhere Inflationserwartungen

An den Rentenmärkten kam es zuletzt zu steigenden Renditen bei Staatsanleihen in den USA und im Euroraum. Ein wichtiger Grund hierfür waren höhere Inflationserwartungen infolge gestiegener Energiepreise. Gleichzeitig reduzierten die Märkte ihre Erwartungen an baldige Zinssenkungen der großen Notenbanken. Auch die zuletzt wieder etwas höhere Kerninflation im Euroraum spricht nicht für weitere Leitzinssenkungen durch die Europäische Zentralbank. Die Notenbanken dürften zunächst abwarten, wie sich Inflation und Konjunktur in den kommenden Monaten entwickeln. Vor dem Hintergrund unseres Basisszenarios eines regional und zeitlich begrenzten Konflikts im Nahen Osten gehen wir derzeit nicht von einem nachhaltigen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen aus. Gleiches gilt für die Risikoprämien bei Unternehmens- und Schwellenländeranleihen. Sollten die Renditen oder Risikoaufschläge infolge geopolitischer Unsicherheit zwischenzeitlich stärker ansteigen, würden wir dies daher eher als selektive Kaufgelegenheit betrachten. Der Fokus liegt dabei weiterhin auf Anleihen mit guten bis sehr guten Bonitäten.

Aktienmärkte – geopolitische Risiken treffen auf solide Unternehmensgewinne

An den Aktienmärkten sorgten die geopolitischen Spannungen zuletzt für erhöhte Schwankungen. Besonders europäische Aktien reagierten empfindlicher auf steigende Energiepreise, während sich US‑Aktien vergleichsweise stabil zeigten. Fundamental bleiben die Rahmenbedingungen für Aktien jedoch solide. In den USA verlief die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025 sehr positiv: Die Unternehmen im S&P‑500‑Index steigerten ihre Gewinne im Jahresvergleich um rund 16 % und übertrafen damit deutlich die Erwartungen der Analysten. Auch in Europa fielen die Unternehmensgewinne insgesamt solide aus, wenn auch mit geringerer Dynamik als in den USA. Für das laufende Jahr rechnet der Konsens global mit weiter steigenden Unternehmensgewinnen. In den USA und in den Schwellenländern werden derzeit Gewinnzuwächse im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich erwartet, während für Europa und Japan ein moderates Wachstum prognostiziert wird. Damit bleibt die Gewinnentwicklung ein wichtiger fundamentaler Stützfaktor für die Aktienmärkte. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Erwartungen der Anleger inzwischen sehr hoch sind. Selbst gute Quartalszahlen führten zuletzt nicht immer zu deutlichen Kursanstiegen. Kurzfristig dürfte die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, Zinserwartungen und teilweise ambitionierten Bewertungen für weitere Schwankungen sorgen. In unserem Basisszenario gehen wir jedoch nicht davon aus, dass es zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung der Weltwirtschaft und der Aktienmärkte infolge des Nahost-Konflikts kommen wird. Ein unmittelbarer Bedarf, die strategische Portfolioausrichtung anzupassen, ergibt sich daraus für uns derzeit nicht. Gleichzeitig bleibt die Lage dynamisch. Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau und werden bei Bedarf angemessen und umsichtig reagieren. Mittelfristig bleiben wir für die Aktienmärkte jedoch konstruktiv. Entscheidend für Anleger bleiben eine breite Diversifikation sowie ein Fokus auf qualitativ hochwertige Unternehmen mit soliden Bilanzen und stabilen Geschäftsmodellen.

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