Autor: Dr. Martin Zurek
Finanzmarkt aktuell per 6. Februar 2026
Dr. Martin Zurek, Portfoliomanager
Die Kapitalmärkte starten mit spürbaren Verschiebungen ins Jahr. Edelmetallpreise korrigieren, langlaufende Renditen steigen weltweit und am Aktienmarkt setzt im Technologiesektor eine stärkere Auslese ein. Die Hintergründe und Einordnung dieser Entwicklungen beleuchten wir in dieser Ausgabe von „Finanzmarkt aktuell“.
Der Glanz wirft Schatten
Zu Jahresbeginn sorgten geopolitische Spannungen für eine erhöhte Unsicherheit an den Märkten. Der Ölpreis stieg deutlich, während Anleger verstärkt sichere Häfen suchten. Gold und Silber verzeichneten dementsprechend hohe Kursgewinne, bevor sich die Entwicklung gegen Ende des Monats Januar spürbar drehte. Auslöser war die Ankündigung von Donald Trump, Kevin Warsh für den Vorsitz der US-Notenbank zu nominieren. Warsh steht für eine stabilitätsorientierte und tendenziell restriktivere Geldpolitik als Trumps Alternativkandidat Kevin Hasset. Auch wenn unter Warsh Zinssenkungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen sind, werteten viele Investoren seine mögliche Ernennung als Hinweis auf eine vorsichtigere Ausrichtung der Notenbank. Die Erwartungen an eine rasche Lockerung der Geldpolitik gingen entsprechend zurück. Der US-Dollar beendete seine Talfahrt vorerst. Gold und Silber gaben einen großen Anteil ihrer zuvor erzielten Gewinne wieder ab, stabilisierten sich jedoch im weiteren Verlauf. Aus unserer Sicht handelt es sich um eine Konsolidierung innerhalb eines übergeordnet intakten Aufwärtstrends und nicht um eine strukturelle Trendwende. Die weiterhin hohe Goldnachfrage der Zentralbanken sowie das strategische Absicherungsinteresse privater Investoren stützen den Markt. Mittelfristig bleiben die Perspektiven für Edelmetalle konstruktiv, bei erhöhten Schwankungen im kurz- bis mittelfristigen Zeitraum.
Steigende Renditen bei langen Laufzeiten
An den globalen Anleihemärkten hat sich die Lage spürbar angespannt. In den USA sind die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen gestiegen, während sich der Abstand zwischen kurzen und langen Laufzeiten weiter ausgeweitet hat. Die Nominierung von Kevin Warsh lenkt den Blick verstärkt auf eine straffere Bilanzpolitik der US-Notenbank und einen beschleunigten Abbau der Anleihebestände. Sollte die Notenbank ihre Rolle als bedeutender Käufer am Anleihemarkt weiter zurückfahren, dürfte insbesondere bei den langfristigen Renditen zusätzlicher Aufwärtsdruck entstehen. Moderate Zinssenkungen erscheinen perspektivisch zwar möglich, würden diesen Effekt jedoch nur begrenzt abfedern. Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf die USA. In Deutschland sind die Renditen 30-jähriger Bundesanleihen im Zuge höherer Staatsausgaben auf Niveaus gestiegen, die zuletzt im Jahr 2011 erreicht wurden. Auch in Japan kam es im Januar zu Renditeanstiegen, wobei Anleihen mit langen Laufzeiten historische Höchststände erreichten. Insgesamt lässt sich ein globales Muster erkennen. Steigende Staatsausgaben, eine wachsende Verschuldung sowie eine zunehmend restriktive Geldpolitik der Notenbanken wirken dabei als zentrale Treiber. Für Investoren entsteht ein Umfeld mit attraktiveren laufenden Erträgen bei zugleich erhöhten Schwankungen. Aus unserer Sicht bleiben damit Anleihen mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren das aktuelle Mittel der Wahl.
Softwareunternehmen unter Druck
Am US-Aktienmarkt setzte sich die positive Entwicklung im ersten Monat des Jahres fort. Der S&P 500 Index überschritt erstmals die Marke von 7.000 Punkten und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Bemerkenswert war, dass die Kursgewinne nicht länger ausschließlich von großen Technologiewerten getragen wurden. Stattdessen verzeichneten insbesondere Energie- und Rohstofftitel deutliche Zuwächse, während der IT-Sektor zu den schwächeren Marktsegmenten gehörte. Innerhalb des Technologiesektors setzte sich die Differenzierung zwischen einzelnen Unternehmen weiter fort. Halbleiter und insbesondere Speicherwerte profitierten von anhaltenden Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI) und entwickelten sich robust. Viele klassische Softwareunternehmen verzeichneten hingegen spürbare Kursrückgänge. Fortschritte im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz schürten Befürchtungen, dass bestehende Anwendungen durch leistungsfähigere Automatisierungslösungen ersetzt werden könnten und verstärkten die Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit etablierter Geschäftsmodelle von Software- und Datenbankanbietern. Eine generelle Risikoscheu der Investoren blieb jedoch aus. Stattdessen kam es zu einer gezielten Umschichtung innerhalb des Marktes. Wachstumsorientierte Titel wurden zugunsten konjunktursensitiver und bewertungsseitig attraktiverer Segmente reduziert. Die jüngste Schwäche im Technologiesektor markiert aus unserer Sicht nicht das Ende des strukturellen KI-Trends, sondern eine Phase erhöhter Selektivität. Fundamentaldaten, Kapitaldisziplin und Bewertungsrelationen gewinnen wieder an Bedeutung. Die breitere Beteiligung am Markt werten wir als positives Zeichen für die Stabilität des aktuellen Umfelds und als Grundlage für zusätzliche attraktive Anlagechancen. Unser Fokus liegt dabei weiterhin auf Unternehmen mit nachhaltiger Ertragskraft und solider Bilanzqualität.
Haftungsausschluss:
Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.
Ansprechpartner für Journalisten:
Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388
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