Bilanzsaison USA zeigt zweistelliges Gewinnwachstum.

Rentenstress bei Ultra-langen Laufzeiten

Bilanzsaison beweist die fundamentale Stärke der Unternehmenswelt

Investiert bleiben!

 

Autor: Sascha Rehbein
Finanzmarkt aktuell per 5. September 2025
Sascha Rehbein, CFA, Portfoliomanager

Sascha Rehbein Portfoliomanager

Am Rentenmarkt entlädt sich aktuell ein kräftiges Sommergewitter, während die Aktienmärkte weiterhin mit neuen Allzeithochs liebäugeln. Die Gründe für die jüngsten Entwicklungen und einen Blick nach vorn können Sie im heutigen „Finanzmarkt aktuell“ lesen:

Rentenstress bei Ultra-langen Laufzeiten

Weltweit schießen die Renditen bei 30jährigen Staatsanleihen in die Höhe. In Japan sind noch nie dagewesene Niveaus erreicht worden, während in Großbritannien durch den jüngsten Anstieg die höchsten Renditen seit 1998 zu sehen sind. Beide Regionen kämpfen weiterhin mit hoher Inflation und stehen vor großen fiskalpolitischen Herausforderungen. Somit wird es Sie sicherlich nicht verwundern, dass die gleichen Marktbewegungen in Frankreich zu beobachten sind. Dort droht auf Grund der schwierigen Haushaltssituation eine neue politische Krise, da die Vertrauensabstimmung in der französischen Nationalversammlung am kommenden Montag höchstwahrscheinlich scheitern wird. In beeindruckender Weise führt uns allerdings gleichzeitig der Kapitalmarkt seine Komplexität und eigene Interpretation der Dinge vor. In den USA ist die Haushaltslage alles andere als stabil und es droht zum Monatsende mal wieder ein sogenannter „Government Shutdown“. Gleichzeitig nimmt die US-Demokratie immer stärkere autoritäre Züge an. So wurden nur in den letzten Wochen die Unabhängigkeit der Notenbank erneut attackiert, zwei anerkannten US-Nachrichtensendern mit Lizenzentzug gedroht, morgendliche Hausdurchsuchungen von hochrangigen Kritikern der Administration durchgeführt, in den Straßen der Hauptstadt patrouillieren Soldaten und aufgrund von unliebsamen Arbeitsmarktdaten die Chefin eines der wichtigsten Statistikämter der USA gefeuert. Man könnte vermuten, dass es bei dieser Nachrichtenlage zu einem Abverkauf von US-Staatspapieren kommen müsste. Aber tatsächlich bewegen sich die bereits angesprochenen 30jährigen Renditen seitwärts und fallen sogar bei den wichtigen 10jährigen Staatspapieren. Dies ist schwer zu begründen, aber wahrscheinlich in der Hoffnung auf Zinssenkungen der Fed zu finden.

Bilanzsaison beweist die fundamentale Stärke der Unternehmenswelt

Während die Politiker erfolglos versuchen, Haushaltslöcher zu stopfen, strotzen die Unternehmen vor Stärke. Die abgelaufene Bilanzsaison in den USA zeigt ein zweistelliges Gewinnwachstum, trotz der Zollunsicherheit im vergangenen Quartal. Auch der Ausblick der Unternehmenslenker hat sich aufgehellt und bestätigt somit unsere positive Einschätzung für den US-Aktienmarkt. Die europäischen Unternehmen hinken hingegen weiterhin hinterher. Der starke Euro belastet die Exporteure ebenso wie das neue Zollregime aus den USA. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sind die europäischen Aktienmärkte somit zuletzt teurer geworden, da die Kurssprünge der vergangenen Monate trotz Ertragsrückgängen der Unternehmen erzielt worden sind. Das sich auch am europäischen Aktienmarkt nicht alles über einen Kamm scheren lässt, zeigt sich in unserer positiven Einschätzung für europäische Banken. Deren Geschäftsmodell profitiert vom angesprochenen Renditeanstieg und gleichzeitig spielen die Zollbelastungen für diesen Sektor quasi keine Rolle.

Investiert bleiben!

Nach diesen Ausführungen wird es Sie sicherlich nicht verwundern, dass wir in unseren Aktienportfolios ein hohes US-Gewicht haben. Getragen vom anhaltenden Boom der künstlichen Intelligenz bevorzugen wir weiterhin den Technologiesektor und aus den genannten Gründen sind wir aktuell ebenfalls im Bankensektor übergewichtet. In den Rentenportfolios haben wir uns in den vergangenen Wochen etwas offensiver positioniert und haben zum Beispiel Unternehmensanleihen aufgestockt. Die fundamentale Lage der Unternehmenswelt ist aus unserer Sicht grundsolide und man erzielt gleichzeitig eine adäquate Rendite. Mit Blick auf das kommende Jahr sollte der größte Teil des Zolldebakels hinter uns liegen, und wir erwarten etwas mehr Klarheit. Deutschland sollte dabei durch die Fiskalpakete aus dem Wachstumsloch kriechen und die USA zu alter Stärke zurückfinden. Auf dem Weg dahin wird es aus dem Weißen Haus sicherlich noch den ein oder anderen Seitenhieb für die Konjunktur und Märkte geben, aber in Summe bleiben wir voll investiert.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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