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Sehr langsam lösen sich die ersten Nebelschwaden, die die Folgen des Brexits umhüllen.

Konjunktur: Bank of England stellt sich Brexit entgegen / Ölpreis fällt wieder

Renten: EZB bestimmt nach wie vor das Marktgeschehen

Aktien: Positive Impulse von den Geschäftsberichten der europäischen Unternehmen

 

Autor: Johannes Flieckenschildt
Finanzmarkt aktuell per 5. August 2016
Johannes Flieckenschildt, Portfoliomanager

Johannes Flieckenschildt

Sehr langsam lösen sich die ersten Nebelschwaden, die die Folgen des Brexits umhüllen und die die Finanzmärkte in den letzten Wochen so sehr haben schwanken lassen. Auch wenn längst nicht klar ist, was bei den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien im Endeffekt vereinbart werden wird und die Auswirkungen des Brexits noch nicht greifbar sind, so bieten doch die ersten veröffentlichten Indikatoren post-Brexit einen interessanten Referenzpunkt: Wie befürchtet fielen das Verbrauchervertrauen und die Unternehmensumfragen pessimistisch aus und deuten entsprechend auf harte Zeiten für die britische Wirtschaft hin. Folgerichtig hat die Bank of England nach anfänglichem Zaudern am vergangenem Donnerstag eine Antwort auf den Brexit gegeben und zwar in Form einer Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf ein neues Rekordtief von 0,25 Prozent sowie einer Ausweitung ihrer Wertpapierankäufe. Die entscheidende Frage aber, die sich breit aufgestellten Anlegern stellt, ist die nach den Auswirkungen einer möglichen britischen Rezession auf das globale Wachstum. An dieser Stelle sollte von Horrorszenarien Abstand genommen werden. Bereits in der „Finanzmarkt aktuell“-Ausgabe vom 7. Juli 2016 haben wir auf die engen Grenzen der realwirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits auf Amerika und die Weltwirtschaft hingewiesen.

Trotzdem lassen die Wachstumsprognosen für die Eurozone keinen Raum für übertriebenen Optimismus. Für das Jahr 2016 sind die Prognosen der Volkswirte um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5% zurückgegangen und für das Jahr 2017 sogar um 0,4 Prozentpunkte auf 1,2%. Eine wichtige Rolle im Euroraum könnte dabei auch der Ölpreis spielen. Dieser ist seit einigen Wochen auf Talfahrt, was an weiterhin hohen Förderniveaus der OPEC-Staaten, an unerwartet hohen Lagerbeständen in den USA und an dem Umstand liegt, dass nach der zwischenzeitlichen Erholung des Ölpreises einige ölfördernde Unternehmen in den USA ihre Produktion wieder ausgeweitet haben. Kurzum: Das Angebot am Ölmarkt ist wieder gestiegen. Sofern dieser Preisrückgang fortgesetzt wird, könnte das Auswirkungen auf die Geldpolitik in der Eurozone haben, denn fallende Energiepreise und damit fallende Inflation rufen erfahrungsgemäß die EZB auf den Plan, die ohnehin versucht, mit einer ultraexpansiven Geldpolitik die Inflation und indirekt das Wachstum in der Eurozone zu stützen. Wir gehen für die kommenden Monate aber noch von moderat steigenden Verbraucherpreisen aus. In Amerika wird derweil mit großem Interesse der kommende Arbeitsmarktbericht erwartet, da dieser, neben der Inflation, eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Geldpolitik der Fed darstellt. Besonders im Lichte des positiven Vormonatsberichts kann eine weitere positive Meldung vom US-Arbeitsmarkt die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung des Leitzinses in diesem Jahr signifikant erhöhen. Wir erwarten aber, dass durch einen behutsamen Anstieg der Zinsen der Rentenmarkt nicht auf einem falschen Fuß erwischt werden sollte.

Am europäischen Rentenmarkt kann ohne Polemik behauptet werden, dass die Mechanismen einer freien Marktwirtschaft durch einen Akteur ausgehebelt werden, die EZB. Auf der einen Seite wirkt die ultraexpansive Geldpolitik auf die Renditen der Staatsanleihen, so dass die Renditen der deutschen und französischen Papiere bereits bis in die langen Laufzeiten negativ sind. Zum anderen werden durch massive Unternehmensanleihenkäufe der EZB mehr und mehr auch die Kompensationen für das Ausfallrisiko (Risikoprämie) europäischer Unternehmensanleihen verzerrt und somit Investitionsentscheidungen erschwert. Zusätzlich wurde auch die Liquidität, also die Handelbarkeit solcher Anleihen durch die EZB-Politik eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich aus unserer Sicht, die Positionen in den Schwellenländern wieder aufzustocken und dadurch attraktive Risikoprämien zu vereinnahmen.

Auch wenn das wirtschaftliche Umfeld derzeit von politischen Risiken und globalen Unsicherheiten dominiert wird, so lohnt es sich doch, am Aktienmarkt den Blick für die fundamentalen Unternehmensdaten nicht zu verlieren, die derzeit veröffentlicht werden. Dabei ist positiv hervorzuheben, dass die Gewinnschätzungen der Analysten bisher häufig übertroffen wurden und somit unsere mittelfristig positive Einschätzung für Aktien bestätigt wurde. Schließlich schwenkte letzte Woche der Fokus der Anleger in Richtung des krisengeschüttelten Bankensektors, da die Publikation des Stresstests der EU-Bankaufsichtsbehörde (EBA) anstand. Am Ende konnte verhalten aufgeatmet werden, denn das Ergebnis unterstrich die Widerstandsfähigkeit im EU-Banken-Sektor als Ganzes, die auf die erheblichen Kapitalaufstockungen der Vergangenheit zurückgeführt werden kann.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation haben wir entweder selbst angestellt oder aus von uns als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt können wir für die Richtigkeit unserer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Ansprechpartner für Journalisten:

Pressesprecher Robert Heiduck, (030) 8 97 98 - 388

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