Der von der Stiftung am Grunewald gespendete Konzertflügel auf der Bühne des Großen Konzertsaales der Universität der Bildenden Künste Berlin

Ein glücklicher Tag für die Studierenden und Lehrenden der Universität der Künste Berlin: Am 6. Dezember 2025 fand im Großen Konzertsaal des Hauses ein Festkonzert zur Einweihung des neuen Konzertflügels von Steinway & Sons statt.

Mit Freude etwas zurückgeben

Winfried Wohlfeld ist ein Stifter, der sich ganz der kulturellen und sozialen Förderung junger Menschen verschrieben hat. Die Projekte seiner Stiftung am Grunewald spiegeln seinen gelebten Altruismus.

Wer in diesen Wochen die Universität der Künste (UdK) in Berlin betritt, spürt schon im Foyer, dass hier etwas von Gewicht geschehen ist: Ein neuer Konzertflügel von Steinway & Sons hat in den großen Konzertsaal des Hauses Eintritt erhalten – finanziert nicht von einem Konzern, sondern von einer privaten Stiftung. Die Schenkung an die UdK ist mehr als eine großzügige Geste an die musikalische Elite der Stadt, sie ist ein Schlüsselmoment im Selbstverständnis der „Stiftung am Grunewald“ – und ein Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement dort einspringt, wo der Staat an seine Grenzen stößt. Gegründet wurde die Stiftung am Grunewald vor rund 15 Jahren von Winfried Wohlfeld, einem Wirtschaftsanwalt, der aus einfachen Verhältnissen stammt und seinen beruflichen Erfolg als Verpflichtung versteht, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben“. Nicht Erbschaften, sondern ein selbst erarbeitetes Vermögen bilden die Grundlage seines Engagements, entscheidend ist für ihn der „gesellschaftliche Mehrwert“ jeder einzelnen Förderung. Wohlfelds Skepsis gegenüber Luxus – Jacht, Sportwagen, Statusuhr – ist programmatisch: Geld, das über den eigenen Bedarf hinausgeht, soll nicht ins Private, sondern ins Öffentliche fließen. In der Logik der Stiftung gehört es dorthin zurück, wo es entstanden ist – in eine Gesellschaft, die Ausbildung ermöglicht und eine erfolgreiche Karriere überhaupt erst zulässt.

Rein rechtlich ist die Stiftung am Grunewald eine klassische Förderstiftung. Das eingebrachte Kapital bleibt unangetastet, gefördert wird ausschließlich aus den Erträgen. Rund 40 Einzelprojekte soll die Stiftung im Jahr 2026 tragen, zum Teil in Kooperationen, die seit über 15 Jahren bestehen und ihren Partnerorganisationen eine selten gewordene Planungssicherheit verschaffen. Mehr als die Hälfte der Mittel fließt in Kinder- und Jugendförderung, hinzu kommt jährlich ein sechsstelliger Betrag für Armuts- und Obdachlosenhilfe sowie für Jugendliche, die auf der Straße leben und sich der öffentlichen Fürsorge entziehen. Gefördert werden überwiegend kleinere Träger, dort, wo staatliche Mittel nicht ausreichen oder engagierte Initiativen im Verteilkampf schlicht übersehen wurden. In der Stiftungslogik ist klar geregelt, wann Unterstützung möglich ist: Neben den satzungsgemäßen Zielen zählen die konkrete Notlage und immer wieder die Frage, welchen tatsächlichen gesellschaftlichen Wert ein Projekt erzeugt. Winfried Wohlfeld versteht seine Stiftung als Ergänzung, nicht als Ersatz staatlicher Verantwortung. Er betont, dass der Staat aus seiner Pflicht nicht entlassen werden dürfe, verweist aber ebenso darauf, dass die moderne Gesellschaft ohne privates und ehrenamtliches Engagement kaum mehr funktioniere. Bürgerliches Engagement beginnt für ihn nicht erst mit der Gründung einer Stiftung, sondern dort, wo Menschen Zeit, Energie oder verhältnismäßig kleine Beträge einsetzen – die Stiftung am Grunewald ist lediglich eine besonders strukturierte Form dieses Ansatzes.

Besonders sichtbar wird dieser Ansatz in der Wilhelmstrasse in Berlin-Kreuzberg, wo die „gelbe Villa“ sich als Community Space für Kinder und Jugendliche etabliert hat. Das Haus versteht sich als Ort der Vernetzung, der gesellschaftlichen Teilhabe und des bürgerlichen Engagements – ein Schutz- und Möglichkeitsraum, in dem junge Menschen ausprobieren, scheitern und neu anfangen können. Donnerstags bis samstags ist die gelbe Villa geöffnet, mit einem eigenständigen, von der Stiftung am Grunewald finanzierten Programm werden neue soziale Räume geschaffen, Kontakte geknüpft und bestehende Strukturen verstetigt. Parallel öffnet das Haus im Format „Meet on Saturday“ seine Türen für weitere Kinder- und Jugendorganisationen, die ihre eigenen Angebote einbringen – eine Verdichtung lokaler Initiativen, die über den Bezirk hinausstrahlen soll.

Die gelbe Villa steht exemplarisch für die Förderstrategie der Stiftung: nachhaltig, lokal verankert, mit einem klaren Fokus auf junge Menschen, deren Startbedingungen in der Stadt alles andere als gleich sind. Planungssicherheit über Jahre hinweg erlaubt es dem Team vor Ort, pädagogische Konzepte zu schärfen, Netzwerke aufzubauen und die Angebote an die Realität der Kinder und Jugendlichen anzupassen. Die Mittel der Stiftung werden so nicht in kurzfristige Leuchtturmprojekte gelenkt, sondern in Strukturen, die es erlauben, Bildungs- und Teilhabechancen langfristig zu verbessern. Dass dabei bewusst Nischen gesucht werden – kleinere Organisationen, unterfinanzierte Projekte –, ist kein Zufall: Gefördert wird dort, wo andere nicht (mehr) hinsehen.

Text: Anke Bracht
Foto: © Jakob Tillmann
Datum: März 2026

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