Portrait von Manuel Koch, dem Unternehmer und Kunstsammler in seiner Kunstsammlung im Salon Schinkelplatz.

Umgeben von Kunst: In den Privaträumen von Manuel Koch verlaufen die Grenzen zwischen Leben, Arbeiten und Salon fließend. 

Der Salon als Resonanzraum – die Sammlung Manuel Koch

Der Unternehmer Manuel Koch lebt inmitten einer beachtlichen Sammlung. Doch erst seine persönliche Beziehung zu den Kunstschaffenden macht für ihn die Werke zu Schätzen von hohem emotionalem Wert.

Wer den Raum am Schinkelplatz, den Manuel Koch lakonisch seinen „Salon“ nennt, betritt, spürt rasch: Hier geht es nicht um Repräsentation, sondern um Beziehung. Mehr als 100 Arbeiten drängen sich an den Wänden, Gesichter blicken den Besucherinnen und Besuchern entgegen, junge Positionen neben etablierten Namen. Der Berliner Medienunternehmer versteht diesen Ort als sozialen Resonanzraum – inspiriert von Salonabenden, die er vor Jahren in New York kennenlernte. Dort kamen Menschen aus Musik, Wirtschaft oder Politik ohne Agenda miteinander ins Gespräch. Als Börsen- und Finanzexperte hat sich Manuel Koch auch mit dem Thema Kunst als Investment intensiv beschäftigt. Dass er in so kurzer Zeit eine beachtliche Sammlung formiert hat, überrascht ihn selbst. Erst vor vier Jahren, erzählt Koch, habe er begonnen, Kunst ernsthaft zu erwerben.

Der Auftakt war ein Aquarell des zeitgenössischen Berliner Malers Christopher Lehmpfuhl, das das Stadtschloss zeigt – jenes Panorama, das Koch täglich aus seiner Wohnung erblickt. Der persönliche Kontakt zur Künstlerin oder zum Künstler, das Abholen des Werks im Atelier, später ein eigens für ihn gemaltes Bild: Für Koch markieren solche Begegnungen den Kern des Sammelns. Kunst entsteht für ihn nicht im Vakuum, sondern im Austausch. Gleichwohl ist der Sammler kein Romantiker. „Die schönste Rendite ist die Freude am Kunstwerk“, sagt er, räumt aber ein, dass mit steigenden Preisen auch der Wunsch nach Werthaltigkeit wächst. 90 Prozent der Arbeiten, schätzt er nüchtern, würden sich wohl kaum je refinanzieren lassen. Doch einige wenige könnten Stabilität oder gar Zuwachs versprechen. Mit ironischer Selbstdiagnose spricht er vom „Klumpenrisiko an der Wand“ – und zugleich von seiner „Rente“.

Besonders am Herzen liegen ihm junge Künstlerinnen und Künstler. Statt ikonischer Trophäen interessiert ihn das Entdecken. Regelmäßig streift Koch durch Ateliers, sucht den frühen Kontakt. Ein exemplarischer Fall ist Kiriakos Tompolidis, auf den er 2022 während eines Rundgangs in der Universität der Künste Berlin aufmerksam wurde und spontan im Atelier ein Werk kaufte. Seither hat der Maler eine steile Karriere hingelegt: internationale Galerievertretung, Beiträge zu Biennalen, Museumsausstellungen. Doch wichtiger als der Marktwert bleibt für Koch die Präsenz der Bilder im Alltag. Vier Arbeiten von Tompolidis besitzt er inzwischen – und spricht von ihnen, als gehörten sie zur Familie.

Berlin bildet dabei das natürliche Habitat für sein Sammeln. Als gebürtiger Berliner kennt Koch die Metamorphosen der Stadt seit den Nachwendejahren. Prenzlauer Berg zum Beispiel, einst rau und improvisiert, ist heute kaum wiederzuerkennen. Gerade diese Dynamik hat eine produktive Kunstszene hervorgebracht: nicht so sehr Verkaufsmaschine, sondern Labor, Kelleratelier statt Hochglanz. Zwar reist Koch regelmäßig nach Paris, London oder New York, um dort die großen Ausstellungen und Messen zu besuchen, doch sein Fokus bleibt Deutschland – darin vor allem Berlin und daneben das Rheinland. Kunst, so wird im Gespräch in Kochs Salon deutlich, ist für ihn weder reiner Rückzugsort noch bloßes Investment. Sie fungiert als Inspirationsquelle, als gedanklicher Motor in einem Raum, der alles zugleich ist: Wohnort, Arbeitsplatz und Bühne für Gespräche. Sein Salon wird zum innersten Punkt, die Werke sind ständige Gesprächspartner. Fragt man Manuel Koch, welches Werk seine Haltung am besten verkörpere, kehrt er zu Tompolidis zurück. Früh entdeckt, persönlich begleitet, im Wert gestiegen – und doch vor allem emotional verankert.

Darin bündelt sich sein Selbstverständnis als Sammler: neugierig, nahe an den Künstlerinnen und Künstlern, bereit zu lernen. Koch liest Kunstmarktanalysen, hört Podcasts in mehreren Sprachen, verfolgt Instagram ebenso wie kunsthistorische Studien. Beratung spielt dabei eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist die geschärfte Intuition eines Vielsehers. So entsteht das Porträt eines Sammlers, der weniger hortet als vernetzt, weniger spekuliert als begleitet. Manuel Koch sammelt Bilder – und mit ihnen sammelt er Beziehungen, Geschichten, Entwicklungen. So verwandelt er seinen Salon am Schinkelplatz in einen Ort, an dem sich Kunst nicht museal distanziert, sondern lebendig und widersprüchlich zeigt: nicht allein als Kapitalanlage, sondern als Gegenwart.

Text: Christoph Horn
Foto: © Mirka Pflüger / https://mirkamirka.de/
Datum: März 2026

Das könnte Sie interessieren:

Artikel lesen

Die „Weber-Bank“ mit Hagen Stamm

In jeder Ausgabe geben uns Persönlichkeiten auf der „Weber-Bank“ Einblicke in ihr Leben. Sie zeigen uns einen Ort, der für sie eine besondere Bedeutung hat und an dem sie ihr Bank-Geheimnis mit uns teilen.

Das Foto zeigt einen Mann mit Schutzbrille und weißem Laborkittel, der in einem Labor aufmerksam die laufende Arbeit eines großen 3D-Druckers beobachtet.

Zukunft aus Potsdam

Die aktuellen Entwicklungen am Wissenschaftsstandort Potsdam verbildlichen die Ambitionen der brandenburgischen Hauptstadt, noch mehr internationale Talente anzuziehen und sich bei Zukunftsthemen als Vordenker und Vorreiter klar zu positionieren.

Gruppenportrait des Teams Institutionelle Kunden der Weberbank auf der Treppe in der Weberbank Villa.

Kompetenz für Stiftungen – Werte und Vermögen wahren

Die Betreuung und Vermögensverwaltung für Stiftungen, Kirchen und Vereine erfordert besondere Kompetenzen sowie ein tiefes Verständnis für die spezifischen Anforderungen dieser Institutionen.

i