Portrait der österreichischen Sängerin und Songwriterin Esther Graf

Mein Berlin mit Esther Graf

Die österreichische Sängerin und Songwriterin Esther Graf kam über mehrere Zwischenstopps nach Berlin. Sie spricht darüber, wie die deutsche Hauptstadt zu ihrer künstlerischen Heimat wurde.

Was hat Berlin, was andere Stationen in Ihrem Leben nicht hatten?

Gefühlt alles, was ich für meinen Job brauche. Berlin ist einfach die Stadt für die Musikindustrie. Für mich war Berlin nicht unbedingt eine Wahlheimat, sondern es hat sich dazu entwickelt. Mein Management, meine Bookingagentur, eigentlich alles, was ich für meinen Job brauche, ist in Berlin, und das macht die Stadt so passend für meine Karriere.

Inwiefern inspiriert Berlin Sie im Alltag beim Schreiben Ihrer Songs?

Wer meine Musik kennt, weiß, dass sie meinem Leben entspringt. Weil Berlin mein Lebensmittelpunkt ist, kommen mir hier natürlich die meisten Ideen. Es ist nicht immer so, dass ein ganzer Song im Studio entsteht, sondern manchmal ist es einfach eine Zeile, die mir irgendwo im Alltag begegnet. Die Song-Idee ist oft der eine Satz. Egal durch welche Straße ich laufe oder welchen Menschen ich begegne, alles löst eine Emotion aus, die vielleicht dann schon ein Song sein kann.

Was braucht es für Sie, um diesen emotionalen Ausdruck in Ihren Songs entstehen zu lassen?

Ich glaube, bei mir ist es eher so, dass ich Gefühle durch Songs verarbeite. Ich muss ganz viel über die Situation reden, und dann ist schon die Hälfte getan. Dafür muss man aufmerksam sein, was so kleine Gedanken angeht.

Wann haben Sie gemerkt, dass Ihre Musik auch gesellschaftliche Auswirkungen haben kann?

Ich habe vor Kurzem bei einem Kinderklinik-Konzert mitgespielt, und in solchen Momenten wird einem bewusst, dass das, was man macht, doch irgendwie etwas bringt. Man fühlt sich ganz oft egoistisch in seinem Job. Aber ich finde es wichtig, dass jeder Artist etwas hat, wofür sein Herz schlägt. Bei mir war es immer wieder dieses Thema, jungen Menschen die Musik näherzubringen. Weil ich davon als Kind profitiert habe. Mir ist es wichtig, aktiv zu überlegen, wo ich mich einbringen kann, und genau solche Veranstaltungen sind dann die richtigen.

Wenn Sie die Stadt in einem Gefühl, einem Klang oder einer Situation beschreiben müssten, was wäre das für Sie?

Ich würde sagen, dass Berlin für mich der Full-Circle-Moment war, dass ich hier mein Team gefunden habe, mich beruflich und mein Zuhause gefunden habe. Es ist ein klassisches C-Dur, weil das für mich ein insgesamt positives Gefühl gibt.

Foto: © Unlost-Films
Datum: März 2026

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