In der Kulturscheune von Gut Eibenhof treffen sich Cineasten, Regisseure und viel Prominenz in diesem September bereits zum 13. Mal.
Am 3. September heißt es wieder „Film ab“ auf Gut Eibenhof in Bad Saarow. Wir trafen Festivalleiterin Susanne Suermondt, um über das Event zu sprechen, das sich seit der Gründung 2013 weit über die Präsentation von Filmen hinausentwickelt hat.
„In der Stadt gibt es kulturelle Angebote an jeder Ecke, auf dem Land nicht.“ Diese persönliche Erfahrung hätten sie zur Gründung des Festivals motiviert, sagt Susanne Suermondt. Dabei half ihr der berufliche Umgang mit dem Medium Film beim Sender Sat.1. „Meine Vorstellung war es, aussagestarke Filme zu zeigen, anspruchsvolle, gesellschaftsrelevante Inhalte zu vermitteln und einer ländlichen Region kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.“ 2013 hat sie den Verein Film ohne Grenzen gegründet und in Bad Saarow, rund 80 Kilometer südöstlich von Berlin am Scharmützelsee gelegen, ihre Idee verwirklicht.
Sie habe weltweit recherchiert, um Inspiration für das passende Konzept zu finden, sagt die Festivalleiterin. Entstanden ist ein Angebot, das an vier Tagen Kulturbegeisterte mit Schauspielerinnen und Schauspielern, Regisseurinnen und Regisseuren zusammenbringt. Nicht nur vor der Leinwand. „Wir wollen den Austausch fördern. Bei uns begegnen sich Besucherinnen und Besucher aller sozialen Schichten, ganz unterschiedliche Leute. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gehen in den Diskurs mit anderen Gästen und Filmschaffenden.“ Wie sie das sagt, schwingt die Begeisterung für Film ohne Grenzen hörbar mit. Das Festivalprogramm beinhaltet auch Talks, Lesungen und Musikeinlagen. Und ein umfangreiches Angebot für Jugendliche mit Filmvorführungen für Schulklassen, dazu soziale und kreative Projekte.
Am Anfang jeder Planung steht das Schwerpunktthema; in diesem Jahr lautet es „Wirklich“. Die Dramaturgin Martina Zöllner bringt den Anspruch des Festivals auf den Punkt: „Wir wollen Ihnen dieses Jahr besonders glaubwürdige, realistische, wahrhaftige Filme zeigen: Filme, die die brüchig gewordenen Realitäten, in denen wir uns zurechtfinden müssen, aufnehmen, reflektieren und deren Heldinnen und Helden sich dagegenstemmen. Wirkliche Filme als Gegengift zu Fake News und künstlichen Scheinwelten, Filme zum Festhalten in unsicherer Zeit.“
Doch bevor sich Bad Saarow wieder in einen international beachteten Festivalort verwandelt, muss Susanne Suermondt mit Tanya Berndsen und Yvonne Borrmann, ihren Kolleginnen aus der Festivalleitung, Filme sichten und das Programm zusammenstellen. Keine kleine Aufgabe. „Von den rund 150 Filmen, die wir uns jedes Jahr im Vorfeld ansehen, werden 20 in der Kulturscheune von Gut Eibenhof gezeigt“, sagt Susanne Suermondt. Die internationalen Produktionen laufen als Original, mit deutschen Untertiteln versehen – Vorarbeiten, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Festivalleiterin managt all das von Berlin aus, erst eine Woche vor der Veranstaltung trifft sich das Team vor Ort.
Welches Renommee Film ohne Grenzen inzwischen erlangt hat, zeigt die Liste der Ehrengäste. 2024 war es die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, in diesem Jahr wird die Schauspielerin Kiera Chaplin, Enkelin des Weltstars, am Festival teilnehmen. Weitere Gäste sind der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Michael Hüther und Showorganisator Harry Seedorf. „Wir erwarten wieder rund 2.000 Menschen auf Gut Eibenhof“, sagt Susanne Suermondt. Doch der Erfolg hat seinen Preis. Die Prämien für den Filmverleih sind drastisch gestiegen. Catering, Foodstände, alles will organisiert sein. Und bezahlt: Um ein Event dieser Größenordnung möglich zu machen, bedarf es engagierter Förderer – der Verein erhält sowohl Bundes- als auch Landesmittel. In der aktuellen Situation radikaler Kürzungen im Kulturbetrieb macht das die Finanzierung schwierig. „Nach dem Festival ist vor dem Festival“, umschreibt Susanne Suermondt ihre Arbeit in der Fördererakquisition. „Es ist ein Glück für uns, dass es viele echte Cineasten in Brandenburg gibt, die unser Festival sehr schätzen und jedes Jahr wiederkommen. Doch wir benötigen nicht nur Geld für das Festival selbst, sondern auch für das Jugend-Bildungsprogramm, das sich daraus entwickelt hat.“
Konkret bedeutet das: Der Verein engagiert sich für die Stärkung der Demokratie und entsendet die Filmemacherin Anna Faroqhi und den Videokünstler Haim Peretz in Schulen, um Schülerinnen und Schüler in Workshops gesellschaftlich zu sensibilisieren. „Jede und jeder muss einen Beitrag leisten“, sagt Susanne Suermondt. „Wir befassen uns zum Beispiel mit dem Thema Antisemitismus, haben mit den Jugendlichen im vorigen Jahr einen Film über Stolpersteine in Bad Saarow produziert. Migration ist ebenfalls ein Thema. Immer mehr Schulen möchten mit uns zusammenarbeiten und kommen auf uns zu. Das zeigt, wie wichtig unser Beitrag ist.“ Über die Aufklärungsarbeit hinaus will der Verein zum Mitmachen motivieren, zum Beispiel mit einem Schulkinoprogramm während des Festivals. „Es wird eine Jugendjury gewählt aus Jugendlichen der achten und neunten Klasse, die dann eine Woche in Klausur gehen.“
Können Filme, kann Kultur die Demokratie stärken? Können Filme überhaupt etwas bewirken, fragt Martina Zöllner. Und bezieht klar Stellung: „Wir antworten mit dem großen François Truffaut: ‚Film ist nicht das Leben, aber er kann mehr über das Leben sagen als das Leben selbst.‘“ Susanne Suermondt ergänzt: „Wir haben einen echten Auftrag und übernehmen gesellschaftspolitische Verantwortung.“ Was so viel heißt wie: Das Drehbuch für Film ohne Grenzen ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.
Text: Anke Bracht
Fotos: © Boris Trenkel, © David Kohlruss
Datum: Juni 2026
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