Weitläufige Wiese mit gelben Blumen zwischen hohen Bäumen und Ruinen mit Säulen im Hintergrund unter blauem Himmel mit Wolken

Der Ruinenberg vis-à-vis von Schloss Sanssouci ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv. Hier wurde im März 2026 an historischem Ort die neue Baumschule feierlich eröffnet.

Training gegen den Klimastress

Besondere Herausforderungen erfordern besondere Lösungen. Deshalb hat Park Sanssouci jetzt eine Baumschule. Dort werden Gehölze herangezogen, die den Folgen des Klimawandels trotzen können. Ein Besuch

Sven Hannemann ist gerade von seiner morgendlichen Runde durch Park Sanssouci zurückgekommen. „Unseren Bäumen geht es schlecht“, sagt der studierte Landschaftsarchitekt, „mehr als 80 Prozent der Altbäume sind geschädigt.“ Das liege am Klimawandel, der für Trockenheit sorge und den rund 26.000 Bäumen damit schwer zusetze. „Seit Jahren beobachten wir einen Rückgang des jährlichen Niederschlags“, sagt Hannemann, „2018 hat er sich im Vergleich zu den Vorjahren fast halbiert und verharrt seitdem auf diesem niedrigen Niveau.“ 

Textauskoppelung: Setzlinge wachsen aus eigenem Saatgut in einer Baumschule am Ruinenberg.
Drei Personen arbeiten gebückt auf einem Feld mit mehreren Reihen gepflanzter Setzlinge in der Baumschule Ruinenberg Potsdam

Hannemann ist Fachbereichsleiter für einen Teil des Schlossparks. Er und seine Kolleginnen und Kollegen bleiben nicht bei der bloßen Beobachtung des kritischen Zustands. Um der Baumschädigung etwas entgegenzusetzen, arbeitet man im Park zweigleisig. Zum einen werden Gehölze aus Südeuropa, die mit Trockenheit besser zurechtkommen, kultiviert. Voraussetzung ist, dass sie den einheimischen Baumarten ähneln. Schließlich soll das Erscheinungsbild des Parks so wenig wie möglich verändert werden. Die zweite Säule erwuchs aus der Rückbesinnung auf die eigene Kraft. Bereits vor 150 Jahren gediehen Setzlinge am Ruinenberg, nun wurde dort eine neue Baumschule eröffnet. Seit 2024 liefen die vorbereitenden Maßnahmen, verbunden mit der Umzäunung des ein Hektar großen Geländes, einer Kampfmittelräumung und der Reaktivierung der kaiserzeitlichen Wasserleitung. 

Möglich wurde das Projekt durch das Engagement des Vereins Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg, der 130.000 Euro Spendengelder als Anschubfinanzierung zur Verfügung stellte. Für die Mitglieder des Vereins sei das Engagement für die Baumschule „eine Herzensangelegenheit“, sagte die Vereinsvorsitzende Dr. h. c. Barbara Schneider-Kempf anlässlich der Eröffnung in diesem März. „Die Förderung der Baumschule ist ein erster, aber entschiedener Schritt der Freunde, den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken.“

„Langjährige Forschungen in den Gehölzbeständen haben gezeigt, dass vor Ort angezogene Bäume eine größere Resilienz gegenüber den sich weiter verschärfenden Klimabedingungen entwickeln“, beschreibt Sven Hannemann den Kern des Baumschulen-Konzepts. Alle Bäume und Sträucher im Park werden zweimal jährlich untersucht, um Vitalität und Verkehrssicherheit zu prüfen. „Bäume gleicher Gattung und Art können in völlig unterschiedlichen Zuständen sein. Die Gehölze, denen es aufgrund genetischer Vorteile am besten geht, werden zu unseren Saatgutlieferanten.“ Die Jungpflanzen wachsen auf dem kargen Boden und werden nur mäßig bewässert. „Ein Training“, sagt Hannemann, „um die auf diese Weise kultivierten Gehölze resilienter zu machen.“ Stecken die Setzlinge nach der Keimphase zarte Triebe durch den Boden ans Licht, ist die erste Hürde genommen. Um die bestmögliche Entwicklung der kostbaren Jungpflanzen zu gewährleisten, holte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg einen auf Baumschulen spezialisierten Gärtner an Bord: Simon Bruchhold kümmert sich um Hege und Pflege. Das Konzept geht auf, in der Baumschule sprießt schon mehr, als Park Sanssouci benötigt: „Übermengen gehen in andere Parkanlagen wie den Neuen Garten oder nach Babelsberg“, sagt Sven Hannemann. Jetzt klingt er sehr optimistisch.

Text: Sintje Wilms
Foto: © picture-alliance/ ZB | Soeren Stache ; © Sven Hannemann / SPSG
Datum: Juni 2026

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