Wissenschaftler in einem Labor des Golm Innovationszentrums, das im Potsdam Science Park speziell für die Ansiedlung junger Unternehmen konzipiert wurde
Universitäre Lehr- und Lernwelten auf dem Brauhausberg, ein neues Stadtquartier für Golm mit seinem Innovationsstandort Potsdam Science Park: Die aktuellen Entwicklungen am Wissenschaftsstandort Potsdam verbildlichen die Ambitionen der brandenburgischen Hauptstadt, noch mehr internationale Talente anzuziehen und sich bei Zukunftsthemen als Vordenker und Vorreiter klar zu positionieren.
Draußen stürmt und schneit es, doch der Hörsaal in Potsdam-Griebnitzsee ist an diesem Tag Ende Januar 2026 gut gefüllt. Kein Wunder: Es ist die öffentliche Vorstellung des neuen Leuchtturmprojekts der Forschungs- und Wissenschaftsmetropole Potsdam, Stichwort Brauhausberg. Vertreter der Universität Potsdam, der Hasso Plattner Foundation (HPF) sowie Verantwortliche der brandenburgischen Landeshauptstadt informieren zu den Projektzielen und planungsrechtlichen Rahmenbedingungen. Das beauftragte Büro Hilmer Sattler Architekten – mit Verweisen auf Großprojekte wie die Neugestaltung des Potsdamer Platzes in Berlin oder den Wiederaufbau des Humboldt Forums – zeigt Optionen für einen Bebauungsplan auf.
„Ende April 2025 saß ich zum ersten Mal mit Hasso Plattner zusammen, im Mai war klar: Wir bekommen einen vierten Campus auf dem Brauhausberg“, beschreibt Professor Oliver Günther, seit 2012 Präsident der Universität Potsdam, den Projektstart. Die HPF habe schon früher signalisiert, sich bei einem Ausbau der Universität zu engagieren, doch für einen neuen Campus habe es keine freie Fläche gegeben. Nun ist sie da, wie durch Zauberhand: Der ursprüngliche Kaufinteressent nahm sein Angebot zurück, als er von den Campusplänen erfuhr, und machte damit den Weg frei für etwas, „das einmalig ist in Europa“, wie Oliver Günther sagt.
Nun muss es schnell gehen. Der Bezug soll in fünf Jahren erfolgen. Ein sportliches Timing, denn auf dem Brauhausberg befindet sich die letzte Brache in Potsdam, mitten darin die Ruine des einstigen Landtags der brandenburgischen Hauptstadt. „Immer mehr Talente aus aller Welt begreifen Potsdam als Alternative zu einer Karriere an einer Universität in den USA“, sagt Oliver Günther. Diesen Trend wollen er, das Land Brandenburg und die HPF mit einem Campus befeuern, der impulsgebende Räume bietet und in jeder Hinsicht neue Standards setzt.
Potsdam ist von jeher ein Zentrum von Forschung und Lehre, die Hauptstadt Brandenburgs ist die Stadt in Deutschland mit der höchsten Dichte an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. In und um Potsdam herum hat sich eine außergewöhnlich dichte Forschungslandschaft mit Universität, Fachhochschule und zahlreichen Instituten entwickelt, viele gebündelt im Potsdam Science Park in Golm. Die Einrichtungen decken ein Spektrum von Erd- und Umweltforschung über Astrophysik und Gravitationswellen bis hin zu Agrartechnik, Biodaten, neuen Materialien, Urbanistik und Zeitgeschichte ab. Zudem ist Potsdam ein Hotspot für Start-ups: Aktuell belegt die Stadt Platz 5 im Ranking „Next Generation – Start-up-Neugründungen in Deutschland“, das der Startup-Verband gemeinsam mit startupdetector halbjährlich veröffentlicht. Damit verweist die Stadt an der Havel Start-up-Metropolen wie München oder Köln auf die hinteren Plätze. Es stellt sich die Frage: Wie umgehen mit so viel Potenzial? Was die Vision einer Zukunft aus Potsdam?
Antworten darauf hat Agnes von Matuschka, Geschäftsführerin des Potsdam Science Park. Seit mehr als acht Jahren verantwortet sie die Entwicklung des größten Wissenschaftsstandorts in Brandenburg. Als Präsidentin der European Division der International Association of Science Parks and Areas of Innovation bringt sie internationale Erfahrung in ihre Arbeit ein. „Hier im Potsdam Science Park in Golm bilden Spitzenforschung, Unternehmertum und Gründergeist einen Innovations-Hub mit Strahlkraft weit über Deutschland hinaus“, sagt von Matuschka und ist im nächsten Satz schon bei den Details. Drei Max-Planck- und zwei Fraunhofer-Institute sowie drei von sieben Fakultäten der Universität Potsdam sind hier angesiedelt. Hinzu kommt eine wachsende Zahl an Unternehmen und Start-ups, aktuell sind es 50.
Rund 2.500 Wissenschaftler, Angestellte und mehr als 9.000 Studierende sind im Potsdam Science Park aktiv – und es werden immer mehr. Deshalb wird der 50 Hektar umfassende Park in den folgenden Jahren auf die doppelte Größe ausgebaut. 30 Prozent der zusätzlichen 52.300 Quadratmeter – hauptsächlich Forschungsgebäude mit hochmodernen Büro- und Laborflächen – sind bereits vermietet. Doch wer denkt, es gehe hier allein um Immobilienentwicklung, der irrt. Agnes von Matuschka ist engagierte Netzwerkerin, die eine enge Zusammenarbeit aller Akteure aus Wirtschaft, Forschung, Lehre und Politik im Potsdam Science Park anstrebt. Internationale Konferenzen, Start-up-Pitches und Finanzierungsinformationen für Neugründungen sind fester Bestandteil des Veranstaltungsprogramms der Community. „Im Austausch voneinander lernen“ ist das Motto der Managerin, was sich auch in den Angeboten für Wissenschaftler, Unternehmen und Start-ups sowie Mitarbeiter und Studierende aus aller Welt widerspiegelt. Deutschkurse, interkulturelle Einbindung durch Social Events und Unterstützung zum Beispiel bei der Suche von Kita- und Schulplätzen sind nicht nur Service, sie sollen die Gemeinschaft stärken und einen attraktiven Lebensraum schaffen.
© Machleidt GmbH, Visualisierung: Lindenkreuz Eggert GbR, Fotografie: Benjamin Maltry
Klingt gut, ist aber noch längst nicht alles, denn der Stadtteil Golm selbst steht vor der Transformation: Rund um den Bahnhof wird ein neues Zentrum entstehen – und das ist dringend erforderlich. Täglich reisen Pendler und Besucher aus Berlin an, für die die Aufenthaltsqualität verbessert werden soll. Gebraucht werden zudem Angebote im Nahversorgungsbereich für den wachsenden Stadtteil. „Gewerbe, Wohnraum, Gastronomie – Golm wird zum urbanen Raum, der Wissenschaftler und ihre Familien begeistern wird und auch für die Anwohner Vorteile bringen soll“, sagt Agnes von Matuschka. Sie weiß, es wird ein Kraftakt, aber: „Wir befinden uns im internationalen Wettbewerb um die besten Talente, und das neue Quartier ist eines der wichtigsten Argumente für den Science Park.“ Bis 2040 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
© XOIO GmbH
Auch auf den anderen Campussen der Universität Potsdam stehen bald die Bagger vor der Tür. Zum Beispiel am Campus Griebnitzsee. Dort befinden sich die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche sowie die juristische Fakultät, das Hasso-Plattner-Institut und die von Universität und HPI getragene Digital-Engineering-Fakultät. Letztere soll deutlich vergrößert werden – ein Gebot der Stunde, sagt Oliver Günther: „Wir müssen die Digitalkompetenz stärken. Zum einen, um die digitale Souveränität zu wahren, zum anderen, um richtungsweisende Innovationen anzustoßen.“ Wenn in fünf Jahren die Umzugswagen rollen, werden die Fakultäten den neuen Campus im Herzen Potsdams beziehen. Das Hasso-Plattner-Institut und die um rund 1.000 Studierende gewachsene Digital-Engineering-Fakultät bleiben am Campus Griebnitzsee. Möglich macht all das eine Spende im oberen dreistelligen Millionenbereich. „Hasso Plattners Großspende setzt Maßstäbe dafür, wie Public-private-Partnerships im Wissenschaftsbereich aussehen sollten“, sagt Universitätspräsident Günther, „und was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit bewegen kann. Denn selbstverständlich ist die gerade auch von Hasso Plattner – der selbst Wissenschaftler ist – garantierte Hochschulautonomie Voraussetzung für unabhängige Forschung und Lehre.“ Eine innovative Hochschularchitektur mit interaktiven und immersiven Lernumgebungen, hybride Lehrmethoden und ein Umfeld, das als „angenehmer Lebensraum angenommen wird“: Von der Strahlkraft dieses neuen Campus profitiere nicht nur die deutsche, sondern die europäische Wissenslandschaft insgesamt, sagt Oliver Günther. Die Freude über sein Leuchtturmprojekt ist ihm dabei anzumerken.
Text: Anke Bracht
Foto: © Standortmanagement Golm GmbH / sevens[+]maltry
Datum: März 2026
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