Nicht nur Kapital wechselt derzeit die Generation, sondern auch die Art, wie es gedacht und eingesetzt wird. Der anstehende Generationswechsel entwickelt sich damit zu einem Stresstest für etablierte Vorstellungen von Vermögensbewahrung und -verwendung.
In den kommenden zwei Jahrzehnten werden laut der Investmentbank Natixis allein in den USA 83 Billionen US-Dollar auf die nächste Generation übergehen – mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung von China, den USA und Europa zusammen. Damit nimmt die größte Vermögensverschiebung der Geschichte, häufig als „Great Wealth Transfer“ beschrieben, Gestalt an. Dieser Übergang ist weit mehr als ein Eigentümerwechsel. Er geht mit einer Veränderung in der Vermögenskultur einher.
In vielen Portfolios dominierten über Jahrzehnte klassische Muster: Die Elterngeneration setzte auf Stabilität – Blue-Chip-Aktien, Staatsanleihen, die eigene Immobilie –, geprägt vom Wunsch nach Planbarkeit und dem Ziel des langfristigen Kapitalerhalts. Die nachrückende Erbengeneration setzt andere Schwerpunkte. Vermögen wird stärker als gestaltbares Kapital verstanden, weniger als rein zu bewahrender Bestand. Diversifikation, längere Anlagehorizonte und die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Anlageklassen nehmen zu. Eine Studie der Bank of America aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Millennials und die Generation Z zunehmend auch außerhalb traditioneller Aktien- und Anleihemärkte investieren – etwa in Immobilien, Private Markets, digitale Vermögenswerte oder Gold.
Zwischen Erbe und Erwartung: 72 Prozent der Anleger zwischen 21 und 43 Jahren geben an, dass sich mit klassischen Investments in Aktien und Anleihen allein keine überdurchschnittlichen Renditen mehr erzielen ließen. Unter Investoren über 44 Jahren teilt dagegen nur rund jeder Vierte diese Einschätzung. „Wir erleben derzeit eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Umbrüche, begleitet vom größten generationenübergreifenden Vermögenstransfer in der Geschichte“, unterstreicht Katy Knox, Leiterin des Bereichs Private Banking bei der Bank of America. „Unsere Studie zeigt, dass wohlhabende Amerikaner verstärkt auf Diversifikation, langfristige Ziele und einen nachhaltigen Einfluss ihres Vermögens achten.“
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Great Wealth Transfer an Dynamik: Er verändert Erbschaftsmuster und hat potenzielle Auswirkungen auf Vermögensverteilung und Finanzmärkte. Eine im Juni vergangenen Jahres veröffentlichte Studie der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Capital Group zeigt, dass viele Vermögensinhaber rückblickend gern einen größeren Teil ihres Erbes investiert hätten und ihre Vermögensentscheidungen heute anders treffen würden.
Gleichzeitig bleibt die klassische Vermögensverwaltung ein zentraler Bezugspunkt. Der Fokus auf Liquidität und börsengehandelte Anlagen prägt viele Portfolios weiterhin. Millennials und die Generation Z zeigen jedoch eine höhere Bereitschaft, Kapital für eine überdurchschnittliche Rendite auch über längere Zeiträume zu binden und zeitweise auf unmittelbare Verfügbarkeit zu verzichten.
Dass es sich dabei um einen breiteren Trend handelt, erweist eine Umfrage der französischen Investmentbank Natixis unter 7.050 Anlegern in 21 Ländern: 61 Prozent der Millennials und 55 Prozent der jüngeren Anleger sehen Private Assets als geeignetes Mittel zur Risikosteuerung, während dieser Anteil bei Babyboomern bei 42 Prozent liegt. Ein ähnliches Bild zeichnet der „2025 EY Global Wealth Research Report“ der Wirtschaftsberatungsgesellschaft EY. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, in komplexe Finanzprodukte wie Private Equity zu investieren, bei der jüngeren Generation deutlich höher als bei ihren Eltern.
Parallel dazu prägt ein digital geformtes Anlegerverständnis die jüngere Generation. Was früher institutionellen Investoren vorbehalten war, ist heute über digitale Plattformen breiter zugänglich. Dazu passt eine Studie von Arta Finance, die zeigt, dass bereits rund 54 Prozent der Gen Z vor ihrem 21. Lebensjahr mit dem Investieren beginnen – deutlich eher als frühere Generationen.
Gleichzeitig verweisen die Studien auch auf Unterschiede im Erfahrungsniveau im Umgang mit komplexeren Anlageformen. Der niedrigschwellige Zugang zu Kapitalmärkten führt zwar zu einem früheren Markteintritt, geht aber nicht zwangsläufig mit einem vertieften Verständnis komplexer Strukturen einher. Eine im Januar veröffentlichte Analyse des Weltwirtschaftsforums weist darauf hin, dass insbesondere im Bereich der Private Markets mitunter eine Gleichsetzung mit liquiden, börsengehandelten Anlagen erfolgt, obwohl sich Kapitalbindung, Bewertungslogik und Exit-Strukturen deutlich unterscheiden.
Vor diesem Hintergrund rück die Frage in den Fokus, wie sich Anlageentscheidungen über Generationen hinweg strukturieren und koordinieren lassen. Family Governance gewinnt im Zuge des Great Wealth Transfer zunehmend an Bedeutung und entwickelt sich für vermögende Familien zu einem zentralen Steuerungsinstrument der Vermögensübertragung. Die „NextGen Survey“ von PwC zeigt, dass das Scheitern großer Familienvermögen in der zweiten oder dritten Generation selten auf steuerliche Faktoren zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf Defizite in der Governance-Struktur. Nur rund 30 Prozent der Familienunternehmen verfügen über eine schriftlich fixierte Familienverfassung – sie sind zugleich seltener von internen Konflikten betroffen.
Noch geringer ist der Anteil formalisierter Nachfolgeprozesse: Lediglich 18 Prozent der Familienunternehmen haben einen klar dokumentierten und strukturierten Übergabeprozess etabliert. Als zentrales Risiko identifiziert die Studie weniger operative Fragen als vielmehr Kommunikations- und Abstimmungsprozesse zwischen den Generationen. 57 Prozent der NextGen geben an, dass ihre Ideen und Perspektiven von der aktuellen Generation nicht ausreichend berücksichtigt würden.
Auch die Analyse „Defining the Family Business Landscape 2025“ von Deloitte kommt zu dem Ergebnis, dass Nachfolgeplanung zwar hohe Priorität besitzt, in der Umsetzung jedoch häufig an unklaren Entscheidungsstrukturen scheitert. In der Folge rückt eine frühere Einbindung der NextGen in strategische Fragestellungen in den Fokus, ebenso die Berücksichtigung veränderter Anlagepräferenzen.
Am Anfang steht die Definition gemeinsamer Leitlinien: In einer Familienverfassung werden Zweck, Leitplanken und ethische Grundsätze des Vermögens definiert – als gemeinsames Fundament für künftige Entscheidungen. Darauf aufbauend folgt die Institutionalisierung durch Familienräte oder externe Moderation, um emotionale Dynamiken zu entschärfen und Entscheidungsprozesse zu strukturieren. Im nächsten Schritt werden gemeinsame Investitionsansätze genutzt, um unterschiedliche Anlageerfahrungen der Generationen zu verbinden. Anschließend übernehmen nachfolgende Generationen klar definierte Verantwortungsbereiche innerhalb eines festgelegten Rahmens. So entsteht ein mehrstufiger Governance-Ansatz, der Vermögen nicht nur als zu übertragenden Bestand versteht, sondern als langfristig zu strukturierenden Entscheidungsraum.
Die Weberbank ist in der Lage, eine Familie bei diesem Prozess empathisch, ganzheitlich und langfristig zu begleiten. Als Privatbank verfügt sie über jahrzehntelange Erfahrung darin, komplexe Vermögen durch unterschiedlichste Marktphasen zu steuern, und steht ihren Kundinnen und Kunden auch in Fragen zu Themen wie Private Markets, Immobilienvermögen und dem Vermögenstransfer in die nächste Generation vertrauensvoll zur Seite.
Text: Christian Euler
Illustration: © Sascha Düvel / https://www.saschaduevel.de/
Datum: Juni 2026
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