© hanohiki / iStock

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Berlin als Drehscheibe für zirkuläres Bauen – Wunsch oder Wirklichkeit?

Gebäude und ihre Materialien im Sinne einer Kreislaufwirtschaft zu nutzen ist eine große Chance. Zum Potenzial der Hauptstadt und den Herausforderungen beziehen fünf Vertreter aus Berlins Immobilienwirtschaft Position.

Portrait von Maren Kern, Vorstand BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen

Maren Kern
Vorstand BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V.
© BBU / Tina Merkau

„Berlin hat das Potenzial, eine führende Drehscheibe für zirkuläres Bauen zu werden – doch der Weg dorthin ist noch weit. Wiederverwendung von Baumaterialien, sortenreines Rückbauen und eine intelligente Materialbörse können Ressourcen schonen, CO₂-Emissionen senken und Kosten dämpfen. Heute aber scheitert vieles an fehlenden Standards, Genehmigungshemmnissen und wirtschaftlichen Anreizen. Gerade im Wohnungsbau brauchen wir praktikable Lösungen, die sich in engen Zeit- und Kostenrahmen umsetzen lassen. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und eine enge Verzahnung von öffentlicher Hand, Bauwirtschaft und Forschung. Politik, Verwaltung, Unternehmen und Hochschulen müssen gemeinsam Pilotprojekte vorantreiben, regulatorische Hürden abbauen und funktionierende Kreisläufe etablieren. Nur wenn wir Nachhaltigkeit mit Machbarkeit verbinden, kann Berlin vom Anspruch in die Wirklichkeit kommen – und zirkuläres Bauen zum festen Bestandteil der Baupraxis machen.“

„Mit dem EDGE Friedrichspark setzen wir gemeinsam mit dem Auftraggeber EDGE Technologies ein starkes Zeichen für die Zukunft des Bauens. Das Projekt vereint CO₂-reduzierten Beton, ein innovatives Energiekonzept mit Eisspeicher und Solarflächen sowie flexible Bürostrukturen. Die grüne Gestaltung integriert Natur und Nachhaltigkeit direkt ins Stadtgefüge. Damit passt EDGE Friedrichspark konsequent zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie, bis 2040 vollständig CO₂-neutral zu werden. Um das zu erreichen, wird nicht nur gebaut, sondern vorausgedacht: lokal, ressourcenschonend und mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus. Der EDGE Friedrichspark zeigt, dass zirkuläres Bauen keine Vision bleiben muss – sondern Realität werden kann.“

Portrait von Niklot von Bülow, Technischer Leiter der ZÜBLIN Direktion Nord-Ost

Niklot von Bülow
Technischer Leiter der ZÜBLIN Direktion Nord-Ost
© ZÜBLIN / Tina Jay

Portrait von Dipl.-Ing. Architekt Martin Jasper, Gründer und Eigentümer von Jasper Architects Berlin, Buenos Aires, Asunción

Dipl.-Ing. Architekt Martin Jasper
Gründer und Eigentümer von Jasper Architects Berlin, Buenos Aires, Asunción
© JasperArchitects

„Berlins kreative Energie, eine junge Generation, die Wandel will, deren kritisches Denken und der reiche Bestand an Gebäuden bieten alles, um die Stadt zu einem Vorreiter im zirkulären Bauen zu machen. Der Umgang mit Ressourcen, das Bauen, Umbauen, Rückbauen und Wiederverwenden rücken in den Fokus von Architekten und Stadtplanern. Noch ist zirkuläres Bauen in Berlin die Ausnahme. Mit unserem Projekt UP! Berlin, dem Umbau einer Kaufhausikone der 1970er-Jahre in ein Bürogebäude für das digitale Zeitalter, konnten wir ein Beispiel setzen. Unabdingbar sind nun politische Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Anreize und der Mut, alte Muster neu zu denken. Wenn Politik, Planung und Baukultur zusammenspielen, kann Berlin zeigen, wie eine urbane Zukunft aussieht, die nicht auf Verschleiß, sondern auf Kreislauf baut. Ich sehe darin nicht nur eine Notwendigkeit –sondern eine große Chance für das Leben in der Stadt.“

„Das Thema wird in Berlin durch Projektförderungen und Strategiepapiere vorangetrieben. Auch die Architektenkammer Berlin hat einen Leitfaden dazu verfasst und weist auf die ‚graue Energie‘ in unseren Gebäuden hin. Neue Gebäude werden als ‚Materiallager‘ zu betrachten sein, die Wiederverwendung und Neuzulassung gebrauchter Materialien ist in der Pilot- und Förderphase angekommen. Hindernisse und Widersprüche in Bauordnung und Haftungsrecht sind jedoch – gerade aus Sicht einer planenden Architektin – noch zu beseitigen. Am wirkungsvollsten kann graue Energie über den Gar-nicht-erst-Abriss der Gebäude eingespart werden. Was in Berlin mit dem Erhalt der Gründerzeitviertel seit Hausbesetzungen und ‚IBA alt‘ international nachgeahmte Praxis ist, kann auf die Gebäude der Nachkriegszeit in Ost und West übertragen werden, die, oft in Beton-Skelettbauweise, flexibel nutzbar sind. Mit guten Beispielen und ganzheitlich gedachten Wirtschaftlichkeitsberechnungen sollten wir die Vernichtung wertvoller Bausubstanz schnell beenden und eine neue Berliner Selbstverständlichkeit für morgen schaffen.“

Portrait von Christine Edmaier, Dipl.-Ing. Architektin BDA I Werkbund

Christine Edmaier
Dipl.-Ing. Architektin BDA I Werkbund
© Kirsten Ostmann

Portrait von Dr. Ulrike Hamann-Onnertz, Geschäftsführerin Berliner Mieterverein

Dr. Ulrike Hamann-Onnertz
Geschäftsführerin Berliner Mieterverein
© Guido Ohlenbostel / BMV

„Zirkuläres Bauen ist das Bauen der Zukunft. Es schont die Ressourcen und kann Wohnraum zu fairen Preisen schaffen. Dabei ist es natürlich wichtig, nicht mehr Energie für die Aufbereitung gebrauchter Rohstoffe zu verwenden als für neue. Wenn wir die vorhandenen Ressourcen nutzen, ob versiegelte Flächen, bereits genutzte Baumaterialien oder vorhandene Gebäude, können wir die zukünftigen Wohnbedarfe womöglich erfüllen, ohne unsere Städte noch dichter und teurer zu bebauen.“

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